Sachsens Justiz klagt eigene Mafia-Jägerin an

Crystal-Fund bei einer Drogenbande. (Symbolbild)
Crystal-Fund bei einer Drogenbande. (Symbolbild)  © DPA

Leipzig - Sie galt als Sachsens erfolgreichste Mafia-Jägerin: die Leipziger Oberstaatsanwältin Elke Müssig (52). Doch jetzt droht der knallharten Ermittlerin, die Dutzende Drogenbarone hinter Schloss und Riegel brachte, selbst eine Gefängnisstrafe.

Um einen Kronzeugen vor Strafe zu schützen, soll sie in einem Prozess Richter und Anwälte belogen haben.

Es ist der bizarrste Fall in der jüngeren sächsischen Justizgeschichte: Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat Anklage gegen die noch immer aktive Leipziger Oberstaatsanwältin Elke Müssig erhoben, das bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft gerade TAG24. Die Vorwürfe: Verdacht der falschen uneidlichen Aussage und der Rechtsbeugung in Tateinheit mit Strafvereitelung im Amt.

Und darum geht‘s: Ihr vermeintlich größter Coup, die Sicherstellung von 2,9 Tonnen des Crystal-Grundstoffs Chlorephedrin im Jahr 2014, wurde der Vorzeige-Ermittlerin zum Boomerang. Nicht nur, dass der Hauptprozess gegen die Crystal-Bande an den unvollständigen Akten der Staatsanwaltschaft scheiterte, die Angeklagten deshalb auf freien Fuß kamen.

Die Oberstaatsanwältin ist in dem Prozess auch noch selbst angezeigt worden - vom Vorsitzenden Richter, ihrem einstigen Studienfreund. Dessen Vorwürfe: In einer Verhandlung soll Müssig zeugenschaftlich erklärt haben, dass sie bei der Vernehmung eines Kronzeugen nicht anwesend war.

Ein BKA-Beamter hatte jedoch ausgesagt, dass Müssig die Vernehmung selbst führte. Zudem soll die Oberstaatsanwältin heimlich ein Verfahren gegen den Kronzeugen eingestellt haben, in dem diesem der Handel mit zwei Kilo Crystal vorgeworfen wurde. "Da im Ergebnis der Ermittlungen ein hinreichender Tatverdacht bejaht wurde, hat die Staatsanwaltschaft Chemnitz am 27. November 2017 Anklage erhoben", erklärte Oberstaatsanwalt Oliver Möller von der Generalstaatsanwaltschaft TAG24.

Anklage wurde zum Landgericht Leipzig erhoben, wo Müssig einst selbst unzählige Mafiosi, Drogen- und Schutzgeld-Gangster hinter Gitter brachte.

Die bei Kriminalisten und Juristenkollegen hoch geschätzte Oberstaatsanwältin ermittelt übrigens bis heute. Zwar wurde sie aus dem OK-Dezernat versetzt, dafür jagt sie jetzt im Dienste der Generalstaatsanwaltschaft bei der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) korrupte Behördenvertreter und Wirtschaftsverbrecher.

Von der Vorzeigejuristin zur Beschuldigten: Gegen Oberstaatsanwältin Elke Müssig (52) wurde Anklage erhoben.
Von der Vorzeigejuristin zur Beschuldigten: Gegen Oberstaatsanwältin Elke Müssig (52) wurde Anklage erhoben.  © Ralf Seegers

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