Rotlicht-Report! Erst Haareschneiden, dann Sex

Erotisches Haareschneiden vor dem Sex - ein Sonderservice von „Nacktfriseuse“ Bea.
Erotisches Haareschneiden vor dem Sex - ein Sonderservice von „Nacktfriseuse“ Bea.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - Arbeiten in einem Club oder im Laufhaus? „Nein, das ist nichts für mich, ich brauche mein eigenes Reich“, sagt Bea und schüttelt die rote Mähne. Mit 55 Jahren ist die Leipzigerin eine der ältesten und erfahrensten Damen im Gewerbe. Die klassische „Alleinkämpferin“.

Eine Wohnung in einer Seitenstraße im Leipziger Westen ist Beas Reich. Keine dieser Schmuddelbuden mit gedimmten Licht. Alle Räume sind hell, sauber, und vor allem geschmackvoll eingerichtet. Auch die Frisierecke, die auf Beas Spezialität hinweist.

„Ich bin Nacktfriseuse - bei mir bekommen die Männer noch einen Haarschnitt, eine Kopfmassage oder eine Intimrasur dazu“, erzählt sie.

Das alles sei natürlich nur ein Rollenspiel. Mit ihren Preisen - die halbe Stunde 70 Euro, die volle ab 120 Euro - liegt sie deshalb auch etwas oberhalb des Durchschnitts.

Das Haareschneiden ist tatsächlich mal ihr Hauptberuf gewesen. „Ich bin Friseur-Meisterin und hatte sogar einen eigenen Salon“, erzählt sie. Damals, Anfang der 1990er Jahre, war das.

Als sie noch nicht die frivole Bea war, die Männer gerne im Netz-Catsuite empfängt.

Sondern die durch und durch bürgerliche Mutter zweier Töchter, deren Mann ein Hotel betrieb ... für das sie bürgte.

Mitte der 90er ging das Hotel pleite, der Gatte setzte sich nach Spanien ab. „Und ich stand plötzlich allein mit zwei Kindern und einem sechsstelligen Schuldenberg da.“ Die verzweifelte Friseurin schloss ihren Salon, stieg ins Rotlicht ein und wurde zur Bea.

Die Erzählungen von Bekannten, dass man horizontal weit mehr verdienen würde, als vertikal mit Schere und Kamm, sollten sich schnell bewahrheiten ...

Das war 1997. Und Bea ist noch immer dabei.

Denn aus dem Job in der Not ist mittlerweile eine lieb gewonnene Profession geworden. „Ich würde nie wieder tauschen und mich im Salon stundenlang an einen Frisierstuhl stellen“, sagt Bea, die mit ihrem Beruf offen umgeht.

Die Familie, Freunde und selbst die heute erwachsenen Töchter - alle wissen, womit sie ihr Geld verdient.

Wer zu Bea kommt, will vor allem Zuwendung und Aufmerksamkeit. „Die klassischen Stecher, die nur vögeln wollen, sind nicht so mein Klientel - meine Kunden wollen vor allem entspannen“, sagt sie im feinsten Szeneslang.

Was auch daran liegen mag, dass Bea zu den mollig-mütterlichen Liebesdamen gehört, die gern zuhören und Trost spenden. „Junge, schlanke Mädchen gibt‘s doch wie Sand am Meer“, feixt sie.

Und Bea, wie lange willst du den Job noch machen? „So lange es mir Spaß macht und noch jemand zu mir kommen will“, antwortet sie und lächelt keck. Damit das so bleibt, lädt sie auf den bekanntesten Rotlicht-Portalen im Internet gerade neue Fotos hoch.

„Der Gast soll ja sehen, wer und was ihn erwartet...“

Scharfe Klinge!  Mancher Mann lässt sich unterm Messer richtig verwöhnen, andere kommen nur zum Quatschen (und Frisieren).
Scharfe Klinge! Mancher Mann lässt sich unterm Messer richtig verwöhnen, andere kommen nur zum Quatschen (und Frisieren).

So kassiert der Freistaat

Bea (55) mit Pausen-Laptop auf ihrer "Spielwiese“. Eine Lebenskrise und hohe Schulden brachten sie ins Rotlicht.
Bea (55) mit Pausen-Laptop auf ihrer "Spielwiese“. Eine Lebenskrise und hohe Schulden brachten sie ins Rotlicht.

Der Umgang des Staates mit Prostitution ist geradezu schizophren.

Einerseits fällt sie als „sozial unwerte Tätigkeit“ nicht unter die Gewerbeordnung, Huren bekommen folglich keinen Gewerbeschein. Andererseits will der Fiskus am Rotlicht mit verdienen.

Weil es Sex nicht auf Rechnung gibt, hat sich bei der Besteuerung das „Düsseldorfer Verfahren“ durchgesetzt.

Ein Agreement zwischen Finanzamt und selbstständigen Prostituierten, die pro Arbeitstag eine Pauschalsteuer zahlen.

In Sachsen liegt die zwischen 15 und 25 Euro - je nach Qualität des Etablissements.

Laut Landesamt für Steuern und Finanzen nahm Sachsen 2014 über das „Düsseldorfer Verfahren“ insgesamt 780.715 Euro ein.

Die Gesamtsteuereinnahmen aus dem Rotlicht sind jedoch höher, da sich mehreren Prostituierte laut Landesamt auch unter anderen Berufsbezeichnungen wie „Masseurin“ registrieren und besteuern lassen.

Fotos: Fotojump (2), PR


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