Nach 21 Jahren in Sachsen werde ich abgeschoben!

Oleg Schwotzer wirkt traurig und ratlos.
Oleg Schwotzer wirkt traurig und ratlos.

Chemnitz – Für Oleg Schwotzer bricht eine Welt zusammen. Nach 21 Jahren wird er aus Deutschland abgeschoben. Der 49-Jährige hatte sich in Chemnitz eine eigene Existenz aufgebaut, nahm vom Staat nie Geld in Anspruch. Eine Schein-Ehe wird ihm zum Verhängnis.

Wie die Freie Presse berichtet, muss Schwotzer bis Ende August Chemnitz verlassen und nach Weißrussland ausreisen. "Mein ganzes Leben ist zerbrochen", wird der Kfz-Mechaniker zitiert.

Als Praktikant war Schwotzer Mitte der 1990er Jahre nach Deutschland gekommen, um sich in Chemnitz niederzulassen. Seine Frau und sein Sohn folgten ihm wenig später. Schwotzer richtete sich eine eigene Kfz-Werkstatt ein, war bei seinen Kunden sehr beliebt.

Um hier dauerhaft leben zu können, hatten Schwotzer und dessen Frau einen Plan. Sie ließen sich scheiden und schlossen mit deutschen Partnern aus ihrem Bekanntenkreis sogenannte Schein-Ehen.

Als den Behörden auffiel, dass die Eheleute Schwotzer mit ihrem Sohn weiter unter derselben Adresse zu erreichen waren, flogen sie auf. Die Vorwürfe lauteten: "Darstellung falscher Tatsachen" und "Täuschung der Behörden".

IHK-Ehrenpräsident Michael Lohse (li.) kritisiert die Entscheidung der Ausländerbehörde.
IHK-Ehrenpräsident Michael Lohse (li.) kritisiert die Entscheidung der Ausländerbehörde.

Oleg Schwotzer und dessen Frau wurde 2010 schließlich die Aufenthaltserlaubnis entzogen.

Es folgte ein zäher Kampf mit den Behörden, auch Briefe an Bundeskanzlerin Angela Merkel blieben wirkungslos. Trotz der Unterstützung vieler Freunde und Bekannter blieb die Chemnitzer Ausländerbehörde bei ihrer Entscheidung.

Wie Schwotzer gegenüber der Freien Presse erklärte, habe er die Wahl gehabt, sofort abgeschoben zu werden oder freiwillig auszureisen. Er entschied sich für die zweite Variante.

Während sein 22-jähriger Sohn in Deutschland bleiben darf, stehen Oleg Schwotzer und seine Frau in Weißrussland vor einer ungewissen Zukunft.

"Hier wird sehenden Auges ein Mensch ins Unglück gestürzt", übt Michael Lohse, Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, Kritik an der Entscheidung. Oleg Schwotzer sei ein Beispiel für musterhafte Integration gewesen.

Fotos: Andreas Seidel, Heinz Patzig


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