Schock! Darum droht dem Meissener Porzellan das Verkaufsverbot

Was kommt denn da noch alles auf uns zu?, scheint sich Meissen-Chef Dr. Tillmann Blaschke (52) zu fragen.
Was kommt denn da noch alles auf uns zu?, scheint sich Meissen-Chef Dr. Tillmann Blaschke (52) zu fragen.  © Holm Helis

Brüssel/Meißen - Eine geplante Verschärfung der Grenzwerte für Cadmium und Blei in der EU-Keramikrichtlinie droht die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen in neue Schwierigkeiten zu stürzen.

Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, planen die Brüsseler Bürokraten, die aus dem Jahr 1984 stammende Richtlinie zu überarbeiten. Unter anderem soll der Wert für Blei auf ein Vierhundertstel der bisherigen Obergrenze reduziert werden. Auch der Grenzwert für Cadmium soll in Keramik drastisch sinken.

Beide Schwermetalle spielen jedoch bei der traditionellen Porzellanmalerei eine Rolle. Die hitzebeständigen Farben der Aufglasurmalerei enthalten Blei und Cadmium.

Eine starke Absenkung der Grenzwerte wäre für Meissen fatal. „Das wäre das Aus für unsere Aufglasurmalerei im Bereich Tisch und Tafel“, sagte Manufaktur-Sprecherin Sandra Jäschke gestern. Damit würde Meissen ein Stück Kulturgut verlieren. Zudem sei die Aufglasurmalerei auch Teil der Ausbildung, so Jäschke.

EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans beruft sich laut „Spiegel“ jedoch auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach bemaltes Geschirr Giftstoffe an Nahrungsmittel abgeben könne. Insbesondere dann, wenn die Speisen viel Säure enthielten.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (58, CDU) spielt nun für seine Manufaktur die Feuerwehr. Laut „Spiegel“ bat er die EU-Kommission um eine Ausnahmeregelung für seine Porzellanmaler.

Im Raum steht demnach eine Idee aus Kalifornien, wo die Grenzwerte für Schwermetalle ebenfalls streng sind. Kunsthandwerk darf jedoch mit höheren Werten verkauft werden, wenn es einen Warnhinweis trägt.

Macht sich bei der EU für sein Staatsporzellan stark: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (58, CDU).
Macht sich bei der EU für sein Staatsporzellan stark: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (58, CDU).  © Holm Helis

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