Streit um Kunstwerk: Wer hat die Aleppo-Busse wirklich aufgestellt?

Auch das ZDF berichtet über die Terroristen-Fahne auf den Aleppo-Bussen.
Auch das ZDF berichtet über die Terroristen-Fahne auf den Aleppo-Bussen.  © Screenshot Twitter/Reuters

Dresden - Die Kunstinstallation „Monument“ mit drei Bussen auf dem Dresdner Neumarkt sorgt weiter für Riesenwirbel.

Denn jetzt tauchte plötzlich ein weiteres Foto auf, das den ursprünglichen Grund für die Aktion (nämlich an die Kriegsopfer von Aleppo zu erinnern) in Frage stellt.

Eigentlich wurden die Fahrzeuge in der syrischen Stadt von Zivilisten aufgestellt, um sich gegen Scharfschützen des Staates zu schützen. So dachten bislang alle (TAG24 berichtete).

Doch auf einem Archiv-Foto der Agentur Reuters sind die drei Busse zusehen, auf denen die Fahne der islamistischen Rebellengruppe Ahrar al-Scham gehisst ist. Die Gruppe wird als islamistisch eingestuft, deren Kampf gegen den syrischen Machthaber Baschar al Assad als oberstes Ziel gilt.

Jetzt fühlen sich Kritiker der Dresdner Kunstaktion (die Busse sollen acht Wochen auf dem Neumarkt stehen) in ihrem Protest bestätigt. Es entstehe der Eindruck, man feiere das Werk einer islamischen Terror-Miliz.

Der Künstler Manaf Halbouni (32) verteidigt die Aktion trotzdem. Das Foto mit der Flagge war ihm nicht bekannt. Er erklärt: „Das Bild der Barrikade aus den drei aufgerichteten Bussen existiert hundertfach im Internet. Das jetzt in den sozialen Medien von der Agentur Reuters stammende Motiv mit der Fahne der Organisation Ahrar al-Scham sehe ich zum ersten Mal.“

Es sei nicht auszuschließen, dass die Barrikade im Kriegsverlauf von verschiedenen Parteien in Anspruch genommen wurde. „In der Situation dieses Krieges, unter der die Zivilbevölkerung leidet, gibt es viele Seiten. Mir geht es nicht um die Akteure, von denen die brutale Gewalt dieses Krieges ausgeht, sondern um das Leiden der Menschen in dieser Situation“, so Halbouni weiter.

Christiane Mennecke-Schwarz, Leiterin des verantwortlichen Kunsthauses Dresden, sagte zu TAG24: „Der zentrale Punkt ist, dass es ein Mahnmal gegen den Krieg und Gewalt in jeglicher Form, auch gegen die Gewalt von Terroristen ist.“ Es sei nicht die Aufgabe des Kunstwerkes, auf die komplexe Situation der unterschiedlichen Parteien dieses Krieges Bezug zu nehmen.

Seit Montag stehen drei Busse senkrecht auf dem Dresdner Neumarkt. Ein Kunstprojekt.
Seit Montag stehen drei Busse senkrecht auf dem Dresdner Neumarkt. Ein Kunstprojekt.  © Imago

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