Wo ist Marion? FDJ-Sekretärin vor 40 Jahren spurlos verschwunden

Verschwand heute vor 40 Jahren spurlos: FDJ-Sekretärin Marion Mitscherlich.
Verschwand heute vor 40 Jahren spurlos: FDJ-Sekretärin Marion Mitscherlich.

Pirna - Er ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle in Sachsen: Auf den Tag genau vor 40 Jahren verschwand in Pirna die 20-jährige Marion Mitscherlich spurlos. Bis heute fand die Polizei weder einen Hinweis auf den Verbleib der hauptamtlichen FDJ-Sekretärin noch eine Erklärung für ihr plötzliches Verschwinden.

Der 24. Oktober 1977 ist ein Montag: Marion macht mal wieder Überstunden in der FDJ-Kreisleitung Pirna, wo die junge Genossin als Sekretärin für Kultur und Sport arbeitet.

Ihrem Vater Tilo hat sie kurz telefonisch Bescheid gegeben, dass es wieder später wird. Es ist das letzte Mal, dass der heute 86-Jährige die Stimme seiner Tochter hört.

Die Ermittlungen der Kripo ergeben später, dass Marion am Abend noch in der Betriebskantine der Kunstseide aß und gegen 22 Uhr das Licht in ihrem Büro erlosch. Doch niemand hat die junge Frau das Gebäude verlassen oder nach Hause gehen sehen.

Vater Tilo Mitscherlich hält es für möglich, dass seine Tochter nicht zu Tode kam, sondern als Agentin in den Westen geschleust wurde.
Vater Tilo Mitscherlich hält es für möglich, dass seine Tochter nicht zu Tode kam, sondern als Agentin in den Westen geschleust wurde.

Volkspolizei, Staatssicherheit und die heutigen Kriminaldienststellen haben sich an dem Fall die Zähne ausgebissen. Familie, Freundeskreis, Kollegen wurden unter die Lupe genommen.

Selbst ein in der Psychiatrie sitzender Alkoholiker, der mal im Suff behauptet hatte, eine FDJlerin getötet zu haben, wurde durch die Mangel gezogen. Doch der entpuppte sich als Spinner. Kein Ermittlungsansatz führte in dem Fall bisher weiter.

So hat Tilo Mitscherlich doch noch einen Funken Hoffnung, dass seine Tochter noch leben könnte. "Sie hat immer gesagt, wo die Partei mich braucht, da gehe ich hin - vielleicht ist sie ja für die Staatssicherheit in den Westen gegangen", erzählt der Vater im Telefonat mit TAG24 seine Gedanken-Version.

Doch auch die Agenten-Geschichte hat die Kripo nach der Wende überprüft. Im Stasi-Archiv fand sich bisher kein einziger Hinweis.


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