Nächster Pisa-Schock? Deutsche Ergebnisse so schlecht wie nie
Von Verena Schmitt-Roschmann
Berlin - In der neuen Pisa-Bildungsstudie schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den hier getesteten 15-Jährigen "die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt", heißt es in der neuen Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie. Die Ergebnisse liegen somit auch niedriger als bei der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000.
Damals hatten die schwachen Werte in Deutschland eine intensive Debatte und Bildungsreformen ausgelöst - der sogenannte Pisa-Schock.
"Ich möchte nicht bewerten, ob wir jetzt vom nächsten Pisa-Schock sprechen müssten", sagte Studienleiter Samuel Greiff von der Technischen Universität München gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Aber ich kann sagen, dass wir bei Pisa 2025 historisch niedrige Kompetenzstände sehen."
Als Gründe gelten eine veränderte Schülerschaft und schwierige Lernvoraussetzungen. Als wichtigste Rezepte zur Besserung nennt Greiff frühkindliche Bildung und eine datengestützte Entwicklung des Unterrichts.
2025 fehlten einem Viertel der rund 6700 in Deutschland getesteten Jugendlichen Basiskompetenzen in Naturwissenschaften. In Lesen und Mathematik galt das laut Pisa sogar für ein Drittel der Schülerinnen und Schüler.
Zugleich sank laut Studie der Anteil der Jugendlichen mit besonders hohen Kompetenzen und liegt in allen drei Gebieten nun bei weniger als zehn Prozent.
Deutschland ist Durchschnitt
Selbst mit den gesunkenen Punktzahlen liegt Deutschland etwa beim Durchschnitt aller teilnehmenden Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die in der Pisa-Studie traditionell verglichen werden.
Auch in anderen OECD-Staaten zeige sich ein Negativtrend, allerdings falle der in Deutschland besonders deutlich aus, erklären die Studienmacher.
"Wir sind zwar nicht dramatisch abgehängt", sagte Greiff. "Aber wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht. Wir spielen nicht mit unter den Top-Staaten."
Weltweit durchliefen 760.000 Jugendliche in 91 Staaten die Vergleichstests, darunter auch Nicht-OECD-Staaten.
Das Elternhaus gibt den Ausschlag
Pisa 2025 bestätigt die Erkenntnis, dass in Deutschland der schulische Erfolg stärker als in anderen Ländern vom Elternhaus abhängt. Seit 2015 nimmt diese Kluft sogar wieder zu.
"Der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Bildungserfolg ist in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada", sagte Greiff.
"In Deutschland sind nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülern leistungsstark. Unter sozial Privilegierten sind es 25 von 100."
Auf die Frage nach den Gründen für den Abwärtstrend beim Bildungserfolg nannte Greiff mehrere Faktoren.
"Nach Pisa 2000 haben wir uns deutlich verbessert, das hat unglaubliche Reformkräfte freigesetzt", sagte der Psychologe und Bildungsforscher.
"Aber seit zehn Jahren beobachten wir einen Knick. Es war offenbar der Eindruck, dass wir jetzt ganz gut dastehen und dass die große Aufholjagd geschafft ist. Und dann wurde das Thema Bildung nicht mehr ganz so wichtig genommen."
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