Berlin - Wortgefechte und Zwischenrufe gehören im Parlament zur Tagesordnung. Doch auch beim Debattieren und Hereinrufen darf die Grenze des guten Geschmacks nicht überschritten werden. AfD-Politiker Martin Reichardt (57) hat nun ein Ordnungsgeld kassiert. Seinen Einspruch lehnte der Bundestag am Freitag ab.
In der Bundestagssitzung vom 15. Oktober 2026 hatte sich der AfD-Mann gegenüber der Linken-Abgeordneten Kathrin Gebel (29) abfällig geäußert.
"Und auch Sie, Frau Gebel, können gerne noch was sagen. Sie beide haben mir sehr geholfen – Sie mit Ihrer unqualifizierten Zwischenbemerkung und Sie mit Ihrer Unkenntnis über Ihre eigene Klitoris", so der 57-Jährige zur Politikerin.
Gelächter und Beifall gab es aus den Reihen der AfD-Fraktion, während Gebel gelassen blieb.
"Herr Reichardt. Die Klitoris hat 3000 Nerven-Enden und sie sind trotzdem empfindlicher. Das muss man echt mal schaffen", konterte die 29-Jährige den verbalen Angriff.
Noch in der Sitzung hatte Vize-Präsidentin Andrea Lindholz (56, CSU) ein Ordnungsgeld verhängt. Reichardt war damit nicht einverstanden, weil die Linken-Politikerin das Wort ebenso verwendet hatte.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner weist Reichardts Einspruch zurück
Doch es blieb bei der Geldstrafe. Nur die AfD-Abgeordneten stimmten für die Zurückweisung des Einspruchs. Dagegen waren CDU/CSU, SPD, Bündnis 90 die Grünen und die Linke.
Für Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53) reihte sich das Reichardt-Zitat ein in eine Reihe von Vorwürfen an Frauen "hier im Parlament".
Eine solche "Übergriffigkeit und Respektlosigkeit lassen wir hier als Präsidium nicht gelten", stellte Klöckner klar, zumal nur 32 Abgeordnete weiblich wären und man sich allein deshalb "so verhalten" müsse, "dass Frauen Lust auf diesen Beruf hier haben".
Martin Reichardt hat auch schon Heidi Reichinnek verbal angegriffen
Reichardt ist kein unbeschriebenes Blatt, was anti-feministische Entgleisungen betrifft. Im Mai 2026 hatte er die Linken-Vorsitzende Heidi Reichinnek (38) als "kinderlose a8-Fahrerin" bezeichnet, woraufhin Klöckner dazwischen ging und deutlich machte, dass es verschiedene Gründe gebe, weshalb Frauen keine Kinder haben.