Mordpläne der Corona-Hetzer gegen MP Kretschmer: Telegram-Chats zeigen Waffen!

Dresden - Am Dienstag versetzte das ZDF-Magazin "Frontal" die Ermittler in Aufruhr: Die Reporter hatten sich in eine Pandemie-Leugner-Gruppe mit dem Namen "Dresden Offlinevernetzung" geschlichen, später reale Treffen beobachtet. Dabei besprachen die Mitglieder Mordpläne gegen den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (46, CDU). Der mutmaßliche Initiator lebte seine Gewaltfantasien schon seit Monaten online aus - und das in einer Telegram-Gruppe, deren Administratorin von der Staatskanzlei zu einer Diskussionsrunde eingeladen wurde.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) will sich nicht einschüchtern lassen.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) will sich nicht einschüchtern lassen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Ihr seid bei mir nicht willkommen", sagt ein Mann, der sich Daniel nennt, 41 Jahre alt sein soll, mit Frau und Sohn (6) in Dresden lebt und in Heidenau arbeitet.

Die Nachricht richtet sich an den verhassten Staat: "Da könnt ihr hier schon mal mit dem SEK kommen, da ich bewaffnet bin."

Gekommen ist offenbar niemand, denn es folgen kurz darauf öffentliche Aufrufe an andere Pandemie-Leugner: "Sucht euch Nachbarn, mit denen ihr euch wehren könnt, sei es mit Armbrüsten, sei es mit Bogen!"

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Ende des Sommers werden auch Ziele benannt: "Wir müssen den Kretschmer rausziehen und ein Exempel statuieren", sagt der Aktivist in einer Aufnahme bei den "Corona Rebellen Sachsen".

"Daniel" ruft immer wieder zu Gewalt auf

Am Montag leistete ein polizeibekannter "Querdenker" (73) Widerstand gegen die Polizei, auch er war Mitglied der aggressiven Gruppe.
Am Montag leistete ein polizeibekannter "Querdenker" (73) Widerstand gegen die Polizei, auch er war Mitglied der aggressiven Gruppe.  © Steffen Füssel

Es ist die Gruppe, deren Administratorin die Sächsische Staatskanzlei persönlich zum Dialog eingeladen hatte. Hier ruft der Mann immer wieder zu Gewalt auf, schlägt vor, kleine Telegram-Gruppen zur Offlinevernetzung zu gründen.

Tatsächlich ist er dann selbst Administrator der Gruppe "Offlinevernetzung Dresden". Diese ist eine von zwölf Regionalgruppen.

Außerdem gibt es eine Hauptgruppe, von welcher aus sich Interessenten in die Untergruppen finden.

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Diese wird über einen Account der Neonazi-Seite "mzw-news" betreut. Der Gruppen-Chef stellt sich als Dresdner vor, wahrscheinlich ist es wieder "Daniel".

Telegram-Chat-Gruppen offenbaren die Gewaltbereitschaft

Immer wieder spielten Waffen eine wichtige Rolle in den Chats. Dem Ministerpräsidenten wünschen die Pandemie-Leugner den Tod.
Immer wieder spielten Waffen eine wichtige Rolle in den Chats. Dem Ministerpräsidenten wünschen die Pandemie-Leugner den Tod.  © Screenshot/Telegram
Die Polizei sichert Michael Kretschmers Privatwohnung in Dresden-Klotzsche.
Die Polizei sichert Michael Kretschmers Privatwohnung in Dresden-Klotzsche.  © Roland Halkasch

Die Gruppen selbst strotzen vor Nazi-Propaganda, Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Gewaltaufrufen und werden auch direkt von "mzw-news" beworben. Zur Vorbereitung gibt es das Buch "Der totale Widerstand", eine Anleitung zum Partisanenkampf.

Dass es in der Dresdner Gruppe zunehmend konkreter wurde, konnten die "frontal"-Reporter herausfinden, die zwei persönliche Treffen in Dresdner Parks beobachteten, das letzte vor rund zwei Wochen. Anschließende Chats ("... den Ministerpräsidenten absägen ...") legen nahe, dass es auch bei diesen Treffen um Anschläge auf Kretschmer ging.

Innenminister Roland Wöller (51, CDU): "Die Morddrohungen gegen Ministerpräsident Kretschmer müssen wir sehr ernst nehmen. Sie zeigen, welches Ausmaß Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft erreicht haben."

Das Polizeiliche Terrorismus- und Abwehrzentrum (PTAZ) hat die Ermittlungen aufgenommen, das LKA seine Schutzvorkehrungen für Kretschmer angepasst.

Und der Ministerpräsident selbst? "Natürlich, ich bin in Sorge", so Kretschmer. "Aber ich entwickle daraus eher Kraft und Energie."

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa, Screenshot/Telegram

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