Alles nur Panikmache? Ansturm auf Krisenkurse nach Blackout in Berlin

Von Sabine Dobel

Berlin/München - Ein Zelt im Wohnzimmer - gegen die Kälte: Das ist ein Tipp der Experten vom Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk Deutschland (MHW) in München für Krisenfälle wie den Stromausfall in Berlin.

Bei dem großflächigen Stromausfall im Südwesten von Berlin mussten etwa 100.000 Menschen tagelang ohne Strom und Heizung ausharren.
Bei dem großflächigen Stromausfall im Südwesten von Berlin mussten etwa 100.000 Menschen tagelang ohne Strom und Heizung ausharren.  © Christophe Gateau/dpa

Nach dem tagelangen Blackout in der Hauptstadt erlebt der Verein einen Ansturm wie nie zuvor. "Seit einigen Tagen erreichen uns Hunderte Nachrichten aus dem gesamten Bundesgebiet", sagte Matthias Fischer, Sprecher und Kursleiter beim MHW, der Deutschen Presse-Agentur.

Gefragt werde nach Kochen ohne Strom, Notbevorratung, Batterielösungen - vor allem aber nach den in Bayern kostenlosen MHW-Krisenkursen, für die es bundesweit kein vergleichbares Angebot gebe.

"Am meisten interessiert, wann der nächste Kurs stattfindet", sagte Fischer. Man prüfe Möglichkeiten, das Kursangebot auszubauen, und arbeite auch an einem Online-Angebot.

Ziel sei es, dass solche Kurse bundesweit angeboten würden, eventuell gemeinsam mit anderen Organisationen. Die Bevölkerung müsse resilient werden, widerstandsfähig gegen Krisen und Katastrophen. Es sei auch Aufgabe der Politik, hier ein Angebot zu schaffen.

Die Lösungen, die der Verein vermittelt, sind einfach und praxisnah: Ein Zelt, ein Campingkocher, eine Taschenlampe zum Kurbeln - die Ausstattung für den Campingurlaub kann bei einem Blackout auch im Hochhaus mitten in der Großstadt eine gute Überlebenshilfe sein.

MHW empfiehlt für Krisenvorrat auf leicht zuzubereitende Speisen zu achten

Bei den MHW-Krisenkursen wird den Teilnehmern unter anderem erklärt, wie man Speisen ohne Strom zubereiten kann.
Bei den MHW-Krisenkursen wird den Teilnehmern unter anderem erklärt, wie man Speisen ohne Strom zubereiten kann.  © Uwe Lein/dpa

Ein Gaskocher könne mit einer Kartusche mit 230-Gramm-Füllung etwa zwei Stunden betrieben werden - nichts für ein Gourmet-Menü, aber genug, um heißen Tee zu kochen oder einfache Mahlzeiten wie Nudeln zuzubereiten.

Empfohlen werde deshalb, für den Krisenvorrat auf leicht zuzubereitende Speisen wie etwa Couscous zu achten. Trinkwasser lässt sich notfalls aus Regenwasser mit einfachen Sandfiltern gewinnen.

Fürs Licht gibt es Solarlampen oder besser noch Kurbeltaschenlampen, mit denen jederzeit Licht erzeugt werden kann, auch wenn der Akku leer ist. Kurbelradios mit integrierter Taschenlampe und Solarpanel seien in vielen Elektronikmärkten erhältlich.

Einige Geräte könnten sogar als Powerbank genutzt werden, zum Laden von Mobiltelefonen. Generell lohne sich ein Blick in den Campingbereich.

In den Kursen erklärt der Verein zudem die behördlichen Warnkanäle und zeigt, wo es im Ernstfall verlässliche Informationen gibt. MHW-Sprecher Fischer warnt: Desinformation und Fake News könnten gerade in Krisen zunehmen.

Titelfoto: Christophe Gateau/dpa, Uwe Lein/dpa (Bildmontage)