Nach Tötung eines Amerikaners: US-Militär greift Ziele in Syrien an!

Washington/Damaskus - Die in Syrien stationierten US-Truppen sollen vor allem den immer noch laufenden Kampf gegen die Terrormiliz IS unterstützen. Auf einen mutmaßlich iranischen Angriff reagiert US-Präsident Joe Biden (80) dennoch umgehend - und lässt erneut Ziele im Osten bombardieren.

Nach der Tötung eines US-Bürgers befahl der US-amerikanische Präsident Joe Biden (80) die Vergeltungsschläge gegen Milizen, die dem Iran nahestehen.
Nach der Tötung eines US-Bürgers befahl der US-amerikanische Präsident Joe Biden (80) die Vergeltungsschläge gegen Milizen, die dem Iran nahestehen.  © Susan Walsh/dpa

Nach Tötung eines US-Bürgers durch einen Drohnenangriff in Syrien hat das US-Militär dort Ziele von Verbündeten der iranischen Revolutionsgarden angegriffen.

Er habe die Luftangriffe im Osten des Landes auf Weisung des US-Präsidenten genehmigt, sagte Verteidigungsminister Lloyd Austin. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten vom Freitag wurden dabei mindestens elf Kämpfer einer mit dem Iran verbündeten Miliz getötet.

Bei dem mutmaßlich iranischen Drohnenangriff auf einen Militärstützpunkt nahe Al-Hassaka im Nordosten seien ein Auftragnehmer des US-Militärs getötet und ein weiterer Auftragnehmer sowie fünf US-Soldaten verletzt worden, teilte das Pentagon mit. Die Drohne sei nach Einschätzung der Geheimdienste "iranischen Ursprungs".

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Kurze Zeit später reagierte das US-Militär mit mehreren Luftangriffen im Osten Syriens. Ziel seien Einrichtungen von Gruppen gewesen, "die mit den iranischen Revolutionsgarden in Kontakt stehen", sagte Austin. Mit den "Präzisionsschlägen" solle der Schutz und die Verteidigung der US-Truppen gewährleistet werden.

"Keine Gruppe darf unsere Truppen ungestraft angreifen", sagte Austin. Eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran wollen die USA laut dem Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, aber nicht. "Wir wollen keinen Krieg mit dem Iran", sagte Kirby am Freitag dem Sender CNN.

US-Vergeltungsschläge in Syrien: Nach wie vor IS-Terrorzellen im Land aktiv

Das US-Militär ist nach wie vor im kriegsgebeutelten Syrien präsent. Dort bekämpft es unter anderem die verbleibenden IS-Terrorzellen im Osten des Landes.
Das US-Militär ist nach wie vor im kriegsgebeutelten Syrien präsent. Dort bekämpft es unter anderem die verbleibenden IS-Terrorzellen im Osten des Landes.  © Andrew Harnik/dpa

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle mit Sitz in London, die die Gewalt in Syrien seit 2011 dokumentiert, richteten sich die US-Angriffe in der Nacht zum Freitag gegen Ziele in Dair as-Saur und Umgebung. Unter anderem seien bei Angriffen auf ein Waffendepot sechs Milizionäre getötet worden.

Zudem hätten Truppen der US-geführten Koalition im Umfeld des angegriffenen Militärstützpunkts mehrere Menschen festgenommen.

Die US-Truppen wurden 2015 nach Syrien geschickt, um den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen. Derzeit sind dort etwa 900 US-Soldaten zum Kampf gegen den IS stationiert, die meisten im Osten des Landes. Sie seien dort, "um den IS zu besiegen", sagte Kirby. Er räumte ein, dass der IS in der Region auch weiterhin eine Gefahr darstelle. Es sei eine gefährliche Umgebung, sagte Kirby, der IS sei noch immer in der Lage, Angriffe auszuführen.

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Der IS hatte weite Gebiete in Syrien und dem benachbarten Irak beherrscht. Trotz des 2019 verkündeten militärischen Siegs über den IS sind dessen Zellen weiterhin im Land aktiv und verüben Anschläge. Vergangenes Jahr beanspruchte der IS etwa 280 Angriffe für sich in Syrien.

Nicht der erste US-Angriff auf Iran-treue Milizen in Syrien

US-Präsident Biden hat seit seinem Amtsantritt schon mehrfach Ziele der Iran-treuen Milizen in Syrien angreifen lassen. Biden und das US-Militär sprachen bei den Angriffen im August 2022 sowie im Juni 2021 von Vergeltungsschlägen für Attacken gegen US-Kräfte im Irak.

Der Iran ist im Bürgerkrieg neben Russland der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Dessen Regierung beherrscht etwa zwei Drittel des zersplitterten Landes, darunter die meisten größeren Städte samt der Hauptstadt Damaskus.

Titelfoto: Susan Walsh/dpa

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