Dresden - Bierzelt-Ärger für OB Dirk Hilbert (54, FDP)! Dass Dresdens Stadtoberhaupt nach kurzer Zeit die Stadtratssitzung verließ, um das Pichmännel-Oktoberfest zu besuchen, stößt vielen Stadträten sauer auf. Die Leitung übernahm daraufhin die Zweite Bürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne).
Nach Sitzungsbeginn um 16 Uhr im Plenarsaal des Neuen Rathauses leitete der OB noch die Diskussion um Dresdens Wärmeplan und verabschiedete sich dann während der anschließenden Fragerunde. "Begründung: 'ein wichtiger Termin'. Genaueres sagte er nicht", ärgert sich die Linksfraktion darüber.
Der Grund für Hilberts Verschwinden: Der OB eröffnete um 18 Uhr traditionell die Dresdner Wiesn am Ostragehege mit dem Fassbieranstich, für den er zwei Schläge (im Vorjahr benötigte der OB nur einen) brauchte: O'zapft is!
Danach ließ es sich der OB mit Maßkrug und buntem Plausch mit vielen Gästen noch mehrere Stunden gut gehen, während die Stadträte im Rathaus über Hilberts Vorlagen stritten. Das kam bei verschiedenen Fraktionen nicht gut an.
"Bierzelt statt Stadtrat. Statt seinen Amtspflichten im Stadtrat nachzukommen, geht der Oberbürgermeister lieber ordentlich einen heben. Man muss halt Prioritäten setzen", schäumt Linke-Fraktionschef André Schollbach (47). "Saufen scheint wichtiger zu sein als Kommunalpolitik", kritisiert auch Grünen-Stadtrat Torsten Schulze (56).
Bereits während der Sitzung hatte das CDU-Fraktionschefin Heike Ahnert (45) so lautstark angeprangert.
Stadtsprecher verteidigt OB Hilberts Verschwinden
"So ein kühles Bier ist natürlich verlockend, aber muss es parallel zum Stadtrat sein?", fragt SPD-Stadtrat Stefan Engel (34). "Der OB ist hier eigentlich die Sitzungsleitung und hat eine von 71 Stimmen. Unsere Stadt hat gerade riesige Probleme - die kann man sich auch nicht schönsaufen."
Die Pressestelle verteidigt Hilbert. "Der Oberbürgermeister wurde in seiner Funktion als Stadtoberhaupt zur Eröffnung eingeladen und hat den Termin als Repräsentationstermin der Landeshauptstadt wahrgenommen", sagt Sprecher Daniel Heine (41).
"Die Eröffnung des Oktoberfestes und die Einladung des Oberbürgermeisters war nicht nur auf die Zeremonie des Fassanstichs beschränkt, sondern erstreckte sich auf den gesamten Abend inklusive Gesprächen mit weiteren geladenen Gästen", so Heine weiter.
Zudem verwies der Sprecher auf die Tagesordnung, die tatsächlich nur wenig umstrittene Themen beinhaltete.