Dresden/Magdeburg - Nach dem Erdrutsch-Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich am Montag die politischen Player im Freistaat zu Wort gemeldet. Die Reaktionen reichten von Fassungslosigkeit über Selbstkritik bis hin zu Kampfrhetorik. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (51, CDU) versuchte es kurz mit Humor.
Als am Abend die ersten Hochrechnungen über den Ticker liefen, war er gerade bei der Jubiläums-Gala in der Dresdner Comödie (30 Jahre). "Sachsen-Anhalt ist leider ein geschichtlicher Unfall", versuchte sich Kretschmer in Galgenhumor. Man hätte das Land besser aufteilen sollen, dann wäre es anders gekommen ...
Das Lachen verging dem CDU-Granden dann jedoch schnell und es kamen selbstkritische Töne. "Ich habe nur eine einzige Hoffnung, dass wir nicht in ein oder zwei Wochen wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern dass wir jetzt wirklich endlich anfangen zu schauen, was bewegt die Menschen, warum wählen sie so", sagte Kretschmer. Und erklärte, dass es ihn ärgere, dass das in den vergangenen Jahren nicht passiert sei.
Auch Sachsens SPD-Urgestein Petra Köpping (68) adressierte den Grund des desaströsen Abschneidens in Berlin. "Die Bundesregierung muss deutlich machen, dass sie die richtigen Lehren aus diesem Ergebnis zieht", polterte Sachsens Sozialministerin und sprach von einer "tiefen Vertrauenskrise" bei den Parteien der Mitte.
Linke will "Gegenmacht" gegen die AfD-Politik sein
Bei Sachsens Linken dominierte Kampfrhetorik. Partei- und Fraktionsspitze formulierten in einer gemeinsamen Erklärung, dass sie eine "Gegenmacht" gegen die AfD-Politik in Nachbarschaften, Betrieben, Vereinen und Kommunen organisieren wolle.
Die konservative Heimatunion innerhalb der sächsischen CDU verlangte auch Konsequenzen für den Freistaat und forderte Kretschmer auf, die Koalition mit der SPD und den Konsultationsmechanismus im Landtag zu beenden und eine "ehrliche Minderheitsregierung" zu bilden.
Man brauche ein Maximum an "CDU pur" ohne laufende Kompromisse mit linken Parteien, erklärte Chef Sven Eppinger (56).
Erstmeldung 11.44 Uhr