"Das ist doch lächerlich!": MP Kretschmer tobt lautstark im TV
Neustadt an der Weinstraße - Unter dem Titel "Freiheit, Einheit, Populismus – Föderalismus im Stresstest" hatte der SWR zum "Demokratieforum" ins historische Hambacher Schloss (Rheinland-Pfalz) geladen. Als prominenter Gast war dabei Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) anwesend, der heftig mit dem Moderator der Sendung aneinandergeriet.
Auslöser war die derzeitige Abschiebepolitik, zu der Michel Friedman (70) den Einwand vorbrachte, dass in Krankenhäusern der Notstand ausbrechen würde, wenn es keine nicht-deutschen Fachkräfte – wie etwa Syrer – geben würde.
Dieses Argument wollte Kretschmer so nicht stehen lassen: "Wie viel Prozent der Syrer sind in unseren Krankenhäusern Ärzte?", forderte der Christdemokrat eine konkrete Zahl vom Gastgeber, der daraufhin erwiderte: "Wir haben 7000 Ärzte."
Kretschmer platzte der Kragen: "Entschuldigung, bitte! Das ist doch lächerlich!", tobte der MP lautstark. "Sie können doch jetzt nicht das Thema 'Syrer' zum Thema 'Ärzte' bringen. Also beim besten Willen!"
Friedman betonte: "Die meisten [Menschen], die hier sind, sind auch von der Union zu respektieren, weil sie legal hier sind." Sofort ergriff Kretschmer wieder das Wort: "Ich respektiere jeden Menschen und ich lass' mir das von Ihnen auch nicht reinreden."
Das Land habe "ein Problem von mehreren 100.000 Menschen", was die Bevölkerung auch sehe, sagte Kretschmer. "Und Sie kommen mit 7000 Menschen an, die in Krankenhäusern arbeiten. So geht es doch nicht!", kritisierte er den Moderator.
Gesprächsleiter Michel Friedman thematisiert Krise der Union
Im Verlauf der Sendung ging Michel Friedman auch auf das Erstarken der AfD ein. "Woran liegt die Krise der Union, dass sie [...] anscheinend eine Politik macht, die die Bevölkerung nicht mehr so goutiert, wie man sich das wünschen könnte?", wollte der Talkmaster wissen.
Darauf Kretschmer: "Die Krise besteht darin, dass man den Begriff der 'Brandmauer' auf den Markt geworfen hat und sich danach dahinter gesetzt und genau nichts getan hat."
Er verglich die Situation bildlich mit einer Brandschutztür, die den Flammen nur eine gewisse Zeit standhalten könne. "Diejenigen, die kommen, löschen und Dinge verändern müssten, die gab es nicht", gestand der sächsische Regierungschef.
Die komplette, rund 74-minütige Folge mit allen Meinungen und Standpunkten kann in der ARD-Mediathek auf Abruf angesehen werden.
Titelfoto: picture alliance/dpa

