Berlin - Mehr als 8000 Menschen warten in Deutschland derzeit auf ein Spenderorgan. Für Grünen-Politikerin Ricarda Lang (32) zeigt das, dass es bei der Organspende dringenden Handlungsbedarf gibt.
"Hinter jeder dieser Zahlen [...] sitzt eine Person, die Angst hat, ob sie überhaupt noch überleben kann", sagte Lang im ZDF-"Morgenmagazin".
Aus diesem Grund sprach sich die Politikerin erneut für die sogenannte Widerspruchslösung aus. Dabei gilt grundsätzlich jeder als Organspender, der zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt hat. Lang hält es "jedem von uns zumutbar, sich einmal im Leben mit diesem Thema zu beschäftigen", sagte sie dem ZDF.
Kritiker sehen in der Regelung einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht. Lang betont jedoch: "Niemand wird gezwungen", Organspender zu werden. Jeder könne selbst entscheiden und eine einmal getroffene Entscheidung später wieder ändern.
Auch Angehörige könnten nach dem Tod noch darauf hinweisen, dass der Verstorbene seine Meinung zuletzt geändert habe. Lang sieht allerdings gerade in der aktuellen Regelung ein Problem: Derzeit müssen Angehörige häufig über eine Organspende entscheiden, ohne zuvor mit der verstorbenen Person darüber gesprochen zu haben.
Man sollte "öfter mal darüber reden", appellierte die Grünen-Politikerin.
Bundestag berät erneut über Organspende
Nach der Sommerpause soll der Bundestag erneut über eine Neuregelung beraten. Eine fraktionsübergreifende Gruppe von 250 Abgeordneten aus SPD, CDU, CSU, Grünen und Linken hat einen Gesetzentwurf zur Einführung der Widerspruchslösung eingebracht. Lang gehört zu den Unterstützern.
2020 hatte der Bundestag einen entsprechenden Vorstoß abgelehnt. Bis heute gilt deshalb die Zustimmungslösung: Organe dürfen nach dem Tod nur entnommen werden, wenn der Verstorbene oder seine Angehörigen zugestimmt haben.
Derzeit warten rund 8000 Menschen auf ein Spenderorgan. Im vergangenen Jahr wurden etwa 3000 Organe gespendet. Zwar ist die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende laut Umfragen hoch, doch deutlich weniger Menschen haben ihre Entscheidung tatsächlich dokumentiert.
Auch das neue Organspende-Register mit inzwischen mehr als 600.000 Einträgen reiche aus Langs Sicht nicht aus. Viele Menschen würden das Thema Tod verdrängen, sagte sie im ZDF.
Für die 32-Jährige überwiegt der Wunsch, durch mehr Organspenden Leben zu retten, das Recht, sich nicht mit dem eigenen Tod auseinandersetzen zu müssen. Ihrer Ansicht nach rechtfertigt dieser Wunsch die Einführung der Widerspruchslösung.