TV-Star und Umweltaktivist kritisiert Rettung von Wal "Timmy": "Der kann das nicht überleben"
Fehmarn/München - Buckelwal "Timmy" ist derzeit auf dem Weg in die Nordsee, wo er in ein paar Tagen endlich in die Freiheit entlassen werden soll. Das Drama rund um den Meeressäuger wühlt ganz Deutschland auf. So auch Schauspieler Hannes Jaenicke (66). Der Umweltaktivist findet deutliche Worte und hat wenig Hoffnung.
Dass viele Menschen Mitleid mit dem mehrfach gestrandeten Tier haben, könne der 66-Jährige durchaus verstehen.
Ihm fehle allerdings der Blick für das große Ganze dahinter. "Die Leute fahren hin, bemitleiden den Wal auf seiner Sandbank und essen später ein Fischbrötchen."
Das für ihn eigentliche Problem: Die Überfischung der Meere und die daraus resultierenden Folgen.
"Er verendet an einem Geisternetz [....] - der kann das nicht überleben. Er ist also ein Opfer unseres Fischkonsums", sagte er in einem Interview mit der Münchner Abendzeitung (AZ).
Schließlich, so Jaenicke, besagen wissenschaftliche Schätzungen, dass etwa 650.000 Meeressäuger jedes Jahr an Geisternetzen und Plastikmüll ersticken. "Wenn ein Schweinswal in der Nord- oder Ostsee stirbt, kriegt das niemand mit, weil es keiner sieht. Ich hoffe, dass Timmy ein Anstoß ist, darüber nachzudenken, wie wir unsere Meere und das Leben darin besser schützen können."
Er selbst will mit gutem Beispiel vorangehen und gründete deshalb die "Pelorus Jack Foundation". Mit der Organisation setzt sich Jaenicke unter anderem für den Erhalt der maritimen Umwelt ein.
An ein Happy End für Buckelwal "Timmy" glaubt er - entgegen vieler - nicht. Und das, obwohl der Meeresriese aktuell auf dem Weg in die Freiheit ist. "Er kann sich nicht mehr richtig ernähren und ist damit zum Tode verurteilt", so Jaenicke.
Hannes Jaenicke hofft nach "Timmy"-Drama auf ein Umdenken
Trotzdem hofft der Umweltaktivist, dass die ganze Aktion auch im schlimmsten Fall etwas Positives hervorbringt.
Eines sei schließlich schon erreicht worden: Die Aufmerksamkeit für das Thema Umwelt- und Artenschutz sei da, so Jaenicke weiter. Das sei "richtig und gut".
Der nächste Schritt sei aus seiner Sicht, die wichtige Diskussion darüber anzustoßen, "warum Wale stranden und verenden".
Dazu müsse man vor allem derzeitige Fischereipraktiken, den Schiffsverkehr und die Lärmbelastung unter Wasser kritisch betrachten.
Daneben müsse man sich aber auch fragen: "Warum ist ein Kalb, eine Pute, ein Schwein oder eine Kuh weniger wert als dieser Wal? Ein Schwein zu schlachten ist kein schöner Vorgang und die Haltung dieser Tiere im Kastenstand ist eine bestialische Quälerei", betont der Kinostar.
Titelfoto: Bildmontage: Christian Charisius/dpa, NEWS5/Sebastian Peters

