Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz: Große Schäden an Kirchen

Trier - Die Hochwasserkatastrophe vor rund drei Wochen hat auch in zahlreichen Gebäuden des katholischen Bistums Trier große Schäden angerichtet.

Der Innenraum der Rosenkranz-Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist stark beschädigt.
Der Innenraum der Rosenkranz-Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist stark beschädigt.  © Thomas Frey/dpa

Stark geschädigt seien unter anderem in Bad Neuenahr-Ahrweiler in der Pfarrei St. Pius Kirche, Pfarrheim, Pfarrhaus und Kita sowie in St. Laurentius Kirche, Pfarrhaus und Pfarrbücherei, sagte die Sprecherin des Bistums Trier, Judith Rupp.

Die Kirche der Gemeinde St. Marien und St. Willibrord sei auch betroffen, müsse aber noch von Experten begutachtet werden.

Von der Kita in Dernau (Kreis Ahrweiler) werde "Totalschaden" gemeldet, in Ahrbrück seien Pfarrkirche und Pfarrhaus schwer geschädigt.

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Noch sei die Liste mit gemeldeten Schäden nicht komplett, sagte Rupp weiter. Es handele sich daher um einen Zwischenstand. Über Kosten für Sanierungen von einzelnen Gebäuden oder die gesamten Maßnahmen könnten noch keine Aussagen getroffen werden.

In Trier-Ehrang und in Kordel (Kreis Trier-Saarburg) seien jeweils in den Pfarrkirchen St. Peter und St. Amandus die Keller vollgelaufen und die Heizungen kaputt, hieß es weiter. Schäden gebe es in Trier-Ehrang zudem an dem erst vor zwei Jahren renovierten Pfarrheim. In Kordel seien die Kita und das Pfarrhaus auch betroffen.

Im Raum Bitburg-Prüm, der Vulkaneifel und der Region Neuerburg werden nach Angaben des Bistums Trier bereits Sanierungskonzepte erarbeitet. Bislang haben die Bauabteilung dort 11 Kirchen, 2 Kitas und zwei Pfarrheime benannt, in denen beispielsweise Keller vollgelaufen und Heizungen kaputt sind.

In Zell an der Mosel gebe es geringfügige Schäden an der Kita St. Peter im Keller. In Cochem sei die Kapelle "Sehler Dom" betroffen.

Dachdecker helfen Flutopfern im Ahrtal

Dachdecker aus ganz Deutschland wollen sich an diesem Mittwoch im Ahrtal treffen, um den Flutopfern zu helfen.

Er rechne mit weit über 80 Betrieben, sagte Initiator Bernd Krinninger, Inhaber von Heimbach Bedachungen in Lahnstein (Rhein-Lahn-Kreis). Mehrere Hundert Handwerker seien an diesem Tag möglicherweise im Ahrtal unterwegs.

Die Dachdecker transportierten eigenes und gespendetes Material in den von der Flut vor drei Wochen verwüsteten Landkreis Ahrweiler. Die Handwerker wollen dort unter anderem beschädigte Dächer abdichten und die Entwässerungsanlagen der Häuser reparieren.

Update, 11.15 Uhr: Bund und Land antworten auf Brief aus dem Ahrtal

Nach einem Offenen Brief der Verbandsgemeinde Altenahr an die Bundes- und Landesregierung haben beide ihre Hilfszusagen für das Katastrophengebiet bekräftigt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wandte sich aber gegen die Berufung eines Sonderbeauftragten. "Das wäre bürokratische Tätigkeitsvermehrung und würde die Sache eher komplizierter machen", sagte er am Mittwoch im WDR.

"Ich bin überzeugt, die Länder müssen diese Sache in die Hand nehmen und sich dabei auf die Unterstützung des Bundes verlassen können", sagte Scholz. "Wir sorgen dafür, dass das Geld bereitsteht."

Viele Forderungen des Offenen Briefs vom 31. Juli seien bereits umgesetzt oder auf dem Wege der Umsetzung, antwortete der Chef der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Fabian Kirsch. In einer auch dem SWR vorliegenden Stellungnahme hieß es: "Der Bund hat Hilfen zugesagt, das Land Soforthilfen beschlossen und ein Spendenkonto eingerichtet, erste Auszahlungen laufen." Im Innenministerium in Mainz koordiniere ein Wiederaufbaustab die Arbeiten. Die finanzielle Absicherung über einen "Nationalen Wiederaufbaufonds" stehe dann am 10. August auf der Tagesordnung der Ministerpräsidenten.

In dem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatten die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand (parteilos), und die Bürgermeister der zugehörigen Ortsgemeinden die aus ihrer Sicht drängenden Maßnahmen zusammengefasst. An erster Stelle forderten sie die Ernennung eines Sonderbeauftragten durch die Bundesregierung "mit sehr weitgehenden Kompetenzen für den Wiederaufbau des Ahrtals".

Sie zeigten sich besorgt, dass die bisherigen Maßnahmen unzureichend sein könnten: "Wenn wir das Ausmaß der Zerstörung sehen, ist klar, dass all die bisherigen Hilfen und deren Organisation nicht ansatzweise ausreichen werden."

Update, 10.34 Uhr: Steinmeier spricht bei Gedenken für Opfer der Flutkatastrophe

Frank-Walter Steinmeier (65) hält am 28. August eine Rede.
Frank-Walter Steinmeier (65) hält am 28. August eine Rede.  © Marius Becker/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65) wird bei dem geplanten Gedenken für die Opfer der Flutkatastrophe am 28. August im Aachener Dom eine Rede halten.

Das hat am Mittwoch das Bundespräsidialamt in Berlin bestätigt. Steinmeier werde aber nicht bei dem ökumenischen Gottesdienst sprechen, sondern bei einem sich unmittelbar anschließenden Gedenkakt. Dieser werde ebenfalls im Dom stattfinden.

Zu dem Gottesdienst haben die beiden christlichen Kirchen eingeladen. Er soll vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, gestaltet werden.

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Eingeladen werden sollen Geschädigte der Flutkatastrophe, Hinterbliebene, Helferinnen und Helfer, Notfallseelsorger und Vertreter der betroffenen Nachbarländer. Vertretern anderer Religionsgemeinschaften sollen den Gottesdienst mitgestalten.

Aus der Politik werden nach dpa-Informationen neben den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, Malu Dreyer (SPD) und Armin Laschet (CDU), die Spitzen der fünf Verfassungsorgane erwartet. Das sind neben dem Bundespräsidenten: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundesratspräsident Reiner Haseloff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (alle CDU) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth.

Der Gedenkakt ähnelt damit der zentralen Gedenkfeier für die Opfer in der Corona-Pandemie, die Steinmeier im April in Berlin veranlasst hatte.

Titelfoto: Thomas Frey/dpa

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