Diese falschen Russen haben eine Mission

Der Unternehmer Wolfgang Hausdorf rettet das Königsbrücker Offizierskasino 
vor dem Verfall.
Der Unternehmer Wolfgang Hausdorf rettet das Königsbrücker Offizierskasino vor dem Verfall.  © Eric Münch

Dresden - Vor den Toren von Dresden wächst in der Königsbrücker Heide viel Gras über sächsische Militärgeschichte. Wildnis ergreift Besitz vom ehemaligen Truppenübungsplatz.

Am „Neuen Lager“ wird jedoch auf den Putz gehauen: Der Bauunternehmer Wolfgang Hausdorf (68) saniert das ehemalige Offizierskasino zusammen mit einem Armee-Spaß-Verein, der dort zünftig Halligalli macht.

Wolfgang Hausdorf erinnert sich lebhaft an seine erste Besichtigung des Jugendstil-Gebäudes im Oktober 2015. „Ich sollte ein Abriss-Angebot abgeben. Ich hatte mir dafür das Kasino vom Dachboden bis zum Keller angeschaut und gestaunt“, erzählt der Dobraer.

In dem ruinösen Haus entdeckte er feinen Jugendstil, Parkettböden und gemauerte Tonnengewölbe. Sein Bauhandwerker-Herz hüpfte freudig und weinte.

„So was kommt nie wieder“, dachte er. Und: „Das ist zu schade zum Wegreißen.“

Von 1945 bis 1992 waren russische Truppen in Königsbrück stationiert.
Von 1945 bis 1992 waren russische Truppen in Königsbrück stationiert.  © Repro: Eric Münch

Der Unternehmer grübelte. Er war 66 Jahre alt und plante eigentlich seinen Rückzug aus dem Business. Sollte er diese „Perle“ erwerben, um sie aufzupolieren und für kommende Generationen zu bewahren?

Hausdorf sprach mit seinem Sohn Jan, seinem Nachfolger in der Firma. Dann mit dem Königsbrücker Bürgermeister. Schließlich kaufte er das Denkmal. Wolfgang Hausdorf gesteht rückblickend: „Meiner Frau habe ich damals von all dem nichts erzählt. Ich wusste, sie würde schimpfen.“

Königsbrück besitzt eine lange Tradition als Garnisonsstadt. Der Truppenübungsplatz in der Heide wurde 1906 für das Königlich Sächsische Armee-Korps angelegt. Das ehemalige Offizierskasino stammt aus dieser Zeit. Später diente der Platz der Wehrmacht. 1945 nahm die russische Armee das Areal in Beschlag und vergrößerte es. Ihre Ära in Königsbrück ging 1992 zu Ende.

Der Freistaat übernahm die Flächen.

Das frühere Offizierskasino ist eines der markantesten Häuser im „Neuen Lager“ 
am Rande von Königsbrück.
Das frühere Offizierskasino ist eines der markantesten Häuser im „Neuen Lager“ am Rande von Königsbrück.  © Eric Münch

Die Königsbrücker Heide ist heute Sachsens größtes Naturschutzgebiet. „Die russische Armee hat das Offizierskasino als Kulturhaus und Kino genutzt“, berichtet Wolfgang Hausdorf, während er durch das Kasino führt. Behutsam, Raum für Raum, startete die Sanierung: Die Dächer sind schon dicht, drei große Säle strahlen frisch verputzt und gemalert. Vor wenigen Tagen wurden moderne Sanitäranlagen fertig.

Der Unternehmer: „Wir vermieten die Räume für Veranstaltungen und Gesellschaften. Perspektivisch wollen wir hier noch Übernachtungsmöglichkeiten schaffen.“

Unumwunden gibt er zu: „Alleine hätte ich das nie geschafft.“ Der Unternehmer kann auf die Hilfe des Armee-Spaß-Vereins zählen. Die 15 Mitglieder um Uwe Meier (51) packen kräftig mit an. Sie freuen sich, dass das Objekt eine Zukunft hat. Schließlich organisieren sie regelmäßig feucht-fröhliche Events, die an die Sowjets und das Militär in Königsbrück erinnern.

Wolfgang Hausdorf gab dem Verein auf seinem Grundstück eine Bleibe - einen alten Russenbunker. Dort hat Meier fahrtüchtige Panzer, Kettenfahrzeuge, Militärtransporter und Jeeps untergestellt. „Alles russische Modelle“ erklärt er und grinst.

„Ich habe noch kein Nutzungskonzept für das Kasino in der Tasche. Das wird die Zeit bringen“, ist Wolfgang Hausdorf zuversichtlich. Seine Frau hat sich inzwischen schließlich auch mit seinem „Projekt“ angefreundet...

Alles klar? „Panzersoldat“ Uwe Berger (49) meldet sich zum Dienst.
Alles klar? „Panzersoldat“ Uwe Berger (49) meldet sich zum Dienst.  © Christian Juppe
Total abgefahren! In einem alten Russenbunker hat der 
Armee-Spaß-Verein sein Domizil.
Total abgefahren! In einem alten Russenbunker hat der Armee-Spaß-Verein sein Domizil.  © Christian Juppe
Uwe Meier hat den Hut auf beim Armee-Spaß-Verein in Königsbrück.
Uwe Meier hat den Hut auf beim Armee-Spaß-Verein in Königsbrück.

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