Dresden: Sprengstoffanschläge auf Moschee und Congress Center

Durch die Explosion wurde ein Glasquader auf der Terrasse des Congress Centers beschädigt.
Durch die Explosion wurde ein Glasquader auf der Terrasse des Congress Centers beschädigt.

Dresden - Wenige Tage vor den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit explodierten in Dresden zwei Sprengsätze. Die Polizei arbeitet ab sofort im Krisenmodus. 

Gegen 21:50 Uhr explodierte vor der Eingangstür der Fatih-Moschee auf der Hühndorfer Straße im Stadtteil Cotta ein Sprengsatz. "Zum Zeitpunkt der Detonation befanden sich der Imam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in dem Objekt. Sie alle blieben unverletzt", sagte Polizeisprecher Thomas Geithner. 

Die Druckwelle drückte die Tür nach innen und es gab Verrußungen im Haus. Es soll sich nach MOPO24-Informationen um ein Gas-Benzin-Gemisch gehandelt habe. Dadurch brannte es noch an der Fassade, bis die Feuerwehr kam und die Flammen löschte.

Eine halbe Stunde später die zweite Explosion. Diesmal vor dem Internationalen Congress Center (ICC). Dort soll am 3. Oktober der Empfang des Bundespräsidenten stattfinden. Gauck wird dort mit geladenen Gästen zum Mittag essen.

Die Polizei geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus.
Die Polizei geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus.

Durch die Hitze der Explosion wurde ein Glasquader auf der Terrasse beschädigt. "Die Polizei forderte alle Gäste, die ein Zimmer mit Blick in Richtung der Terrasse bewohnen, auf, sich nicht am Fenster aufzuhalten", sagte Geithner.

In beiden Fällen stellten die Polizisten die Reste eines selbstgebauten Sprengsatzes sicher.

"Auch wenn uns bislang kein Bekennerschreiben vorliegt, müssen wir von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgehen. Gleichzeitig sehen wir auch eine Verbindung zu den Feierlichkeiten anlässlich des Tages der Deutschen Einheit am kommenden Wochenende", sagte Polizeipräsident Horst Kretzschmar.

Polizei bewacht jetzt die Moschee auf der Hühndorfer Straße. 
Polizei bewacht jetzt die Moschee auf der Hühndorfer Straße.  © Steffen Füssel

Die Polizei verstärkte daraufhin den Schutz islamischer Einrichtungen in Dresden. "Ab sofort werden die beiden Dresdner Moscheen an der Hühndorfer Straße und der Marschnerstraße (Johannstadt) durch Einsatzkräfte bewacht. Das islamische Zentrum am Flügelweg wird zusätzlich intensiv bestreift" informierte der Polizeisprecher.

Polizeipräsident Horst Kretzschmar: „Die Ereignisse haben natürlich Auswirkungen auf unsere laufenden Einsatzvorbereitungen. Ab sofort arbeiten wir im Krisenmodus! So werden wir in einem ersten Schritt weitere Objekte hinsichtlich ihrer Gefährdung neu bewerten und gegebenenfalls weitere Objektschutzmaßnahmen treffen.“

Der Schaden am Eingang der Cottaer Fatih-Moschee ist deutlich zu erkennen. 
Der Schaden am Eingang der Cottaer Fatih-Moschee ist deutlich zu erkennen.  © Steffen Füssel

UPDATE, 11:15 Uhr:
Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat sich nun zu Wort gemeldet: "Ich verurteile den feigen Anschlag auf das Schärfste. Dies ist nicht nur ein Anschlag auf die Religionsfreiheit und die Werte einer aufgeklärten Gesellschaft, sondern hier wurde auch bewusst der Tod von den in der Moschee lebenden Menschen in Kauf genommen. Die Sächsische Polizei arbeitet seit gestern Nacht mit Hochdruck an der Aufklärung, um auch die öffentliche Sicherheit noch weiter zu verbessern."

UPDATE, 9:45 Uhr: Christian Hartmann, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sagt: „Ich verurteile die Anschläge gegen ein religiöses Zentrum und das ICC in Dresden aufs Schärfste. Es ist nun wichtig, dass die Sicherheitsbehörden ihren Ermittlungen nachgehen können und die genauen Hintergründe klären.“

AfD-Generalsekretär Uwe Wurlitzer: "Die AfD-Fraktion verurteilt dieses Attentat auf das Schärfste. Egal, von wem diese Gewalt ausging. Es deutet alles auf politisch motivierte Taten hin."

Polizisten kommen vom Tatort am Congresscenter.
Polizisten kommen vom Tatort am Congresscenter.  © Roland Halkasch
Polizei und Feuerwehr am Dresdner Congresscenter.
Polizei und Feuerwehr am Dresdner Congresscenter.  © Roland Halkasch

Die Fatih-Moschee veröffentlichte auf ihrer Facebookseite ein Foto des Brandes nach der Explosion

Imam Hamza Turan und sein Sohn Ibrahim Ismail Turan (10) waren zum Anschlagzeitpunkt in dem Gebäude.
Imam Hamza Turan und sein Sohn Ibrahim Ismail Turan (10) waren zum Anschlagzeitpunkt in dem Gebäude.  © Steffen Füssel

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