Drama im Pflegeheim: Aufzug defekt und niemand rückt für Hilfe an

Heidelberg - Was sich am Donnerstagabend in einem Seniorenheim nahe Heidelberg (Baden-Württemberg) zugetragen haben soll, klingt unglaublich!

Gemeinsam mit Heimmitarbeitern packten die Tierretter an.
Gemeinsam mit Heimmitarbeitern packten die Tierretter an.  © EinsatzReport24

Wie die Haus- und Wildtierrettung Neckartal-Odenwald und Greifswald/Ostsee auf ihrer Facebook-Seite schreibt, musste sie am gestrigen Abend ausrücken, um mehrere pflegebedürftige Senioren in ihre Zimmer zu tragen.

Nachdem der Aufzug ausgefallen war, seien die Menschen nicht mehr anders in ihre Betten zu bringen gewesen. Selbst die Rettungsleitstelle habe abgewunken und nicht die Feuerwehr zum Helfen vorbei geschickt.

Doch der Reihe nach: Wie die Tierretter in dem Posting berichten, sei gegen Mittag der Aufzug im Seniorenheim Parkblick in Schönbrunn-Schwanheim kaputt gegangen. Ein Servicetechniker habe ihn darauf hin repariert. Gegen 17.30 Uhr sei der Aufzug in dem vierstöckigen Gebäude dann erneut ausgefallen.

"Das Seniorenheim wandte sich daraufhin erneut an die Aufzugsfirma, erhielt jedoch nun vom zuständigen Techniker die Antwort, dass er heute nicht mehr kommen könne, da er ansonsten die gesetzlich maximal Arbeitszeit von zehn Stunden überschreiten würde", schreibt die Tierrettung.

Die Heimleitung habe dann die Aufzugsfirma ThyssenKrupp mehrmals darauf hingewiesen, dass man einen Vollwartungsvertrag mit 24-Stunden-Störungsbeseitigungsservice abgeschlossen habe.

Ein anderer Techniker sollte demnach ins Seniorenheim kommen. Um kurz vor 20 Uhr habe es schließlich seitens ThyssenKrupp geheißen, dass "kein anderer Techniker zur Verfügung stehen würde, und das Seniorenheim solle sich an die Feuerwehr wenden".

Pflegebedürftige im Speisesaal

Die Leitung des Seniorenheims Parkblick will rechtliche Schritte prüfen.
Die Leitung des Seniorenheims Parkblick will rechtliche Schritte prüfen.  © EinsatzReport24

Sechs schwerst Pflegebedürftige befanden sich zu dem Zeitpunkt noch im Speisesaal des Heims, so die Tierretter.

Die restlichen Bewohner hätte das Personal selbst auf ihre Zimmer gebracht. Doch die übrigens sechs waren demnach zu schwer, als dass die Heimmitarbeiter sie auf ihre Stockwerke tragen konnten.

Die Heimleitung habe dann das getan, was ThyssenKrupp geraten habe: Man habe die Integrierte Rettungsleitstelle Rhein-Neckar (ILS) benachrichtigt, die Situation geschildert.

Doch dort bekam man offenbar eine Absage: "Hier erhielt man nun die Auskunft, dass laut den bestehenden gesetzlichen Regelungen es sich hier nicht um einen Notfall handeln würde, und somit die Feuerwehr bzw. auch andere Rettungsdienste hierfür nicht zuständig wären, man solle weiter versuchen, dass die Aufzugsfirma einen Techniker schicke."

In der Not habe sich das Heim schlußendlich an die Tierretter gewandt, immerhin sei man sich bekannt. Der Träger des Seniorenheims Parkblick habe die Tierfreunde immer wieder durch Spenden unterstützt. Schließlich trugen die Tierretter gemeinsam mit den Heimmitarbeitern die übrigen Senioren auf ihre Zimmer.

Parkblick-Geschäftsführer Sven Jensen bestätigt die Schilderung der Haus- und Wildtierrettung gegenüber TAG24 und kündigt an, dass der Vorfall wohl juristische Folgen habe werde. Gegen die Firma ThyssenKrupp, mit der ein Vollwartungsvertrag für den Aufzug bestehe, werde man rechtliche Schritte einleiten - "und gegen den Disponenten der Rettungsleitstelle Rhein-Neckar strafrechtliche Schritte prüfen".

Die Heimleitung ist der Auffassung, dass es sich bei dem Vorfall im Heim entgegen der Aussage der ILS sehr wohl um einen Notfall gehandelt habe.

"Die Disponenten der Rettungsleitstelle sind medizinisch geschult, somit hätte dem Disponenten unserer Auffassung nach zum einen klar sein müssen dass bei schwerst pflegebedürftigen Bewohnern die bereits deutlich länger in ihren Rollstühlen sitzen mussten als sie es normalerweise gewohnt waren, zum einen die Gefahr von Kreislaufprobleme bestand (...), zum anderen da aufgrund des langen Sitzens die Gefahr bestand das Druckgeschwüre auftreten konnten, die bei pflegebedürftigen Bewohnern schnell zu schweren Wunden mit chronischem Verlauf führen können (...)", teilt uns Jensen mit.

Anzeige gegen den Disponenten?

Sechs schwerst Pflegebedürftige saßen im Speisesaal fest, ehe sie auf ihre Zimmer getragen wurden.
Sechs schwerst Pflegebedürftige saßen im Speisesaal fest, ehe sie auf ihre Zimmer getragen wurden.  © EinsatzReport24

Die sechs Personen im Speisesaal hätten nach Heimangaben bereits mehr als eineinhalb Stunden länger gesessen als vorgesehen, um Druckgeschwüre zu verhindern.

"Somit besteht nach unserer Auffassung hier eventuell der Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung, weshalb wir im Laufe des Montags nach Prüfung durch unseren Rechtsanwalt gegebenenfalls Strafanzeige gegen den entsprechenden Disponenten der Rettungsleitstelle stellen werden", so Jensen weiter.

Der Freiwilligen Feuerwehr in Schönbrunn wolle man jedoch ausdrücklich keine Vorwürfe machen, "da die Rettungsleitstelle unseren Notruf erst gar nicht weitergeleitet hat, sondern uns sachlich aber bestimmt erklärt hat dass aufgrund der Gesetzeslage hier die Feuerwehr nicht zuständig wäre."

Was sagt die ILS Rhein-Neckar zu dem Vorfall im Seniorenheim? "Selbstverständlich ist die Integrierte Leitstelle an der gewissenhaften Aufarbeitung des gestrigen Vorgangs interessiert", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme an unsere Redaktion. "Leider sind die Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle, die am gestrigen Abend die Anfrage aus dem Altenheim Parkblick in Schönbrunn entgegen genommen haben aktuell nicht im Dienst."

Erst am Montag sei eine umfassende Auskunft möglich. Das Schreiben schließt mit den Worten: "Wir freuen uns über das spontane bürgerschaftliche Engagement in Schönbrunn."

Übrigens: Der Aufzug funktioniert seit Freitagmorgen wieder. Ein Techniker der Firma ThyssenKrupp habe ihn wieder in Gang gebracht, teilt Jensen gegenüber TAG24 mit.


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