Lukas lässt sich die Haare lang wachsen und das aus rührendem Grund

Stuttgart - In Stuttgart schneidet Friseurmeister Alexander Ljaschko und sein Team Kunden kostenlos die Haare. Denn die Zöpfe werden nicht wie sonst weggeworfen, aus ihnen entstehen Perücken - für kranke Kinder.

Vorher-Nachher-Vergleich: Lukas mit langen und später mit kurzen Haaren.
Vorher-Nachher-Vergleich: Lukas mit langen und später mit kurzen Haaren.  © Salon KL Alexander Ljaschko

Lukas ist elf Jahre alt, da trifft er einen Entschluss - Er will sich seine Haare lang wachsen lassen: Erstmal keine außergewöhnliche Idee für einen pubertierenden Jungen.

Doch hinter seiner Idee steckt ein ganz selbstloser Gedanke: Lukas will seine langen Haare spenden - für krebskranke Kinder, die ihre eigenen Haare beispielsweise bei der Chemotherapie verlieren.

Lukas lernte im Kindesalter ein zweijähriges Mädchen kennen, das wegen einer Krebserkrankung auch seine Haare verlor. Später begegnete er dem Thema wieder:

"Ich bin durch eine Kinderzeitschrift auf das Thema 'Haarspenden' gekommen, da dachte ich mir, ich mache das auch", erinnert sich Lukas.

Insgesamt drei Jahre ließ Lukas keine Schere mehr an seine Haare.

Lukas hält seine abgeschnittenen Zöpfe in der Hand.
Lukas hält seine abgeschnittenen Zöpfe in der Hand.  © Salon KL Alexander Ljaschko

Und wie haben Mitschüler und Freunde reagiert, als seine Haarpracht immer länger wurde? "Alle hatten Respekt davor, dass ich das mache", erinnert sich Lukas, als er ihnen erklärte, dass er damit krebskranken Kindern helfen könne.

"Den Kindern geht es nicht gut und sie freuen sich sehr über eine Echthaarperücke", denn diese sind sehr teuer.

Laut dem Verein "Die Haarspender" kostet eine Echthaarperücke zwischen 1500 und 3000 Euro, die Krankenkassen bezuschussen diese nur bis maximal 380 Euro. Kosten, die einige Familien nicht stemmen können.

Lukas will Gutes tun: "Ich finde es wichtig, anderen zu helfen, die einen Nachteil durch ihre Krankheit haben."

In den drei Jahren haben den heute 14-Jährigen die Haare auch manchmal genervt, denn im Sommer am Strand waren die langen Haare ganz schön störend. Da brauchte Lukas auch manchmal den Rat seiner Mutter, was beispielsweise Pflegeprodukte anging. Die Familie unterstützte ihn und ist jetzt mächtig stolz auf sein Engagement. Lukas zog es durch und nun vor einigen Tagen war es so weit.

Ein Mitarbeiter von Friseur Alexander Ljaschko band die Haare zu mehren Zöpfen zusammen und schnitt sie sorgfältig ab. Das war ein "befreiendes" Gefühl. "Ich war glücklich, dass ich es gemacht habe und jemand helfen kann", sagt Lukas.

Der Teenager aus dem Stuttgarter Raum resümiert: "Ich bin jetzt erstmal glücklich mit meinem Kurzhaarschnitt, doch wenn ich erwachsen bin, würde ich es vielleicht nochmal tun".

Und Lukas hat noch ein Anliegen: "Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Menschen ihre Haare spenden."

Friseur Alexander Ljaschko schneidet Kunden kostenlos die Haare, wenn sie diese spenden.
Friseur Alexander Ljaschko schneidet Kunden kostenlos die Haare, wenn sie diese spenden.  © Salon KL Alexander Ljaschko

Und wer das möchte, der bekommt von Friseurmeister Alexander Ljschko noch einen kostenlosen Haarschnitt vom Profi.

Der Friseur mit eigenem Salon in Stuttgart unterstützt die Non-Profit-Organisation "Die Haarspender", die Kindern, die durch eine Erkrankung ihre Haare verlieren, maßgeschneiderte Perücken anfertigt.

"Es ist mein Beitrag für die Gesellschaft", sagt Ljaschko. Er habe zuvor verschiedene karitative Projekte unterstützt, nun fokussiert sich sein Salon auf die Haarspenden. "Ich finde das eine tolle Sache, denn die Perücken sehen natürlich aus."

Er selbst habe eine betroffene Mutter kennengelernt. Viele Kinder bekommen Kunsthaar-Perücken, die unecht aussehen und unter denen sie schwitzen. Daraufhin entschied sich der Friseur die Non-Profit-Organisation "Die Haarspender" zu unterstützten.

Inzwischen kommen täglich Haarspender in den Salon. "Wir bekommen da einige Meter Haare im Monat zusammen, die wir dann nach Wien schicken." Dort werden die Zöpfe von Holger Thomas Möller in Empfang genommen. "Seit 2016 haben wir 167 Perücken möglich gemacht", sagt Möller. Für eine Perücke sind ungefähr vier Haarspenden und 360 Euro Spendengeld nötig.

Die Non-Profit-Organisation hält verschiedene Perücken auf Lager, damit beispielsweise im Fall einer Chemotherapie, bei der die Haare plötzlich ausgehen, dem Kind schnell geholfen werden kann. Bei anderen Erkrankungen, wie dem "kreisrunden Haarausfall", der schleichend eintritt, wird die Perücke maßangefertigt und benötigt ungefähr zwei Monate Vorlaufzeit. "Die Familien erhalten die Perücke kostenlos", sagt Möller.

Die Organisation "Die Haarspender" hat rund 200 Partnersalons in Deutschland, Schweiz, Österreich und Ungarn. Dort werden die meisten Perücken den Kindern übergeben und sie bekommen noch einen Schnitt, der zu ihnen passt. "Das sind die schönsten Momente", sagt Möller.

Ihr wollt auch Haarspender werden? So sollte Euer Haar sein:

  • Die ideale Haarlänge ist 40 bis 45 Zentimeter.
  • Bei gestuften Haaren sollte die kürzeste Stufe nicht kürzer als 27 Zentimeter sein.
  • Haarspender können Locken, glatte oder gewellte Haare haben.
  • Ungefärbte, natürliche Haare sind am besten, doch auch gefärbte Haare sind verwendbar, wenn sie gesund sind.
  • Getönte Haare sollten durchgängig getönt sein.
  • Henna-gefärbte Haare mit schwarz/indigo sind nicht verwendbar.
  • Balayage ist verwendbar, wenn der Farbverlauf fließend ist.
  • Etwas Spliss ist auch kein Drama.
  • Das Haar sollte ohne Spülung kämmbar sein.

Titelfoto: Salon KL Alexander Ljaschko


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