Theo Waigel teilt gegen Edmund Stoiber aus: "Unter der Gürtellinie"

München - Wie kaum ein Politiker hat Theo Waigel die deutsche und europäische Geschichte geprägt. Pünktlich zu seinem Geburtstag veröffentlicht er seine Memoiren - Edmund Stoiber dürfte das gar nicht gefallen.

Theo Waigel ist vielen durch seine buschigen Augenbrauen in Erinnerung geblieben.
Theo Waigel ist vielen durch seine buschigen Augenbrauen in Erinnerung geblieben.  © DPA

Nein, groß feiern will Theo Waigel auch seinen 80. Geburtstag nicht. Nur mit der Familie, Ehefrau Irene Epple-Waigel, Kindern und Enkeln, daheim im Allgäu.

"Nur unter uns an Ostermontag mit Kirchgang und Mittagessen", sagt der frühere CSU-Chef und "Mister Euro" am Donnerstag bei der Vorstellung seiner Autobiografie mit dem Titel "Ehrlichkeit ist eine Währung" in München.

Aber es lasse sich wohl nicht verhindern, dass die CSU auch noch etwas mache.

Pünktlich zu seinem Ehrentag am 22. April gewährt Waigel auf 352 Seiten einen Einblick in sein Leben.

Ziel der Autobiografie war es, persönliches zu erzählen, "ohne Privates preiszugeben. Meine ehrliche Überzeugung sollte zum Ausdruck kommen, Verbiegen war noch nie meine Sache", schreibt er im Vorwort.

Doch nicht jeder Weggefährte dürfte mit Waigels Sicht der Dinge zufrieden seien - geschweige denn ihm dazu gratulieren: Edmund Stoiber (77).

Theo Waigel und Edmund Stoiber werden wohl keine Freunde mehr

Theo Waigel steht vor Beginn der Pressekonferenz zur Vorstellung seiner Autobiografie neben einem Plakat und hält sein Buch in der Hand.
Theo Waigel steht vor Beginn der Pressekonferenz zur Vorstellung seiner Autobiografie neben einem Plakat und hält sein Buch in der Hand.  © DPA

Um den Streit von Waigel und Stoiber muss man zurückblicken in die Zeit Anfang der 1990er Jahren. Damals war Waigel seit fünf Jahren CSU-Chef und schielte auch auf den Posten des Ministerpräsidenten.

Doch der Traum platzte: 1993 unterlag er seinem jüngeren Rivalen Stoiber im Machtkampf um den Posten. Schon vor Jahren räumte Waigel dazu ein, er habe danach überlegt, alles hinzuschmeißen: "Es gab schon Dinge unter der Gürtellinie, die einem wehtun."

Damals wurde auch Privates - wie die Trennung von seiner ersten Frau - in der CSU thematisiert. In seinem Buch macht Waigel keinen Hehl daraus, dass für ihn Stoiber für die "diffamierende Kampagne" verantwortlich war - entweder selbst oder zumindest kannte und deckte er die Initiatoren.

1960 trat Waigel in die CSU ein, in die Junge Union gar schon drei Jahre früher. Von 1982 bis 1989 war Waigel Chef der Landesgruppe, von 1988 bis 1999 CSU-Chef. Bundespolitiker wollte Waigel eigentlich nie werden, lieber wäre er Landrat in seiner Heimat Krumbach geworden. Doch der Landkreis wurde kurzerhand aufgelöst.

Dafür eröffneten sich neue Wege: 1972 zieht er in den Bundestag ein, ihm gehört er bis 2002 an. Im Rückblick ist er dafür dankbar, denn zweifelsohne konnte er so an vielen historischen Ereignissen und Entscheidungen teilhaben:

Vom legendären Kreuther Trennungsbeschluss der CSU 1976 über die deutsche Wiedervereinigung bis zur Europäischen Währungsunion.

Theo Waigel gab dem Euro seinen Namen

Der Euro heißt Euro wegen Theo Waigel.
Der Euro heißt Euro wegen Theo Waigel.  © DPA

Dem legendären Kreuther Trennungsbeschluss, jener Zerreisprobe von CSU und CDU im Bundestag, widmet er sich im Buch in bemerkenswerter Detailtiefe.

Sein Tenor ist nicht neu und hatte 1976 schon den damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß zur Weißglut gebracht: "CSU und CDU müssen nicht nur vereint schlagen, sondern auch gemeinsam marschieren. Sie gehören als Einheit zusammen."

Am Ende blieb es bei einem Strohfeuer, die Fraktionsgemeinschaft blieb bestehen, Strauss gab nach. Gleichwohl hatte die CSU fortan einen Mythos, dem die CSU laut Waigel bis heute viel Kraft und mediale Aufmerksamkeit verdankt.

Keine Frage, Waigels größtes politisches Erbe findet sich aber in Portemonnaies in ganz Europa: Der Euro.

Als Bundesfinanzminister in der Regierung von Helmut Kohl (CDU) schlug er den Namen 1995 für die gemeinsame europäische Währung vor. Mit Erfolg. Der Europäische Rat gab grünes Licht und bescherte dem CSU-Politiker prompt einen Spitznamen, den er Zeit Lebens behalten sollte: "Mister Euro".

Natürlich kommt auch Waigels markantestes Merkmal zur Sprache: Seine buschigen Augenbrauen, die für Karikaturisten ein Geschenk waren.

Sie zu stutzen, komme nie in Frage, betont er: "Jetzt im Alter wachsen die Schnurrbärte ungeordneter, ich lasse sie von niemandem verändern. Man sollte zu dem stehen, was man ist. Etliche gut gemeinte Versuche, den Wildwuchs zu zähmen, habe ich abwehren müssen."

Titelfoto: DPA

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