Muuuh! Sachsen sucht den besten Kuhmelker

Susan Morgenstern, angehende Tierwirtin aus dem Erzgebirgskreis, zapft am Kuheuter etwas Milch für eine Zellprobe. Die Prüferin Christel Fliedner macht sich dabei Notizen.
Susan Morgenstern, angehende Tierwirtin aus dem Erzgebirgskreis, zapft am Kuheuter etwas Milch für eine Zellprobe. Die Prüferin Christel Fliedner macht sich dabei Notizen.  © DPA

Torgau - Bis zu 10 .000 Liter Milch im Jahr beschert eine Kuh ihrem Besitzer. Doch um an den weißen Trunk zu kommen, bedarf es neben Geschicklichkeit auch jeder Menge Fürsorge. Zu beobachten ist das gerade auf dem Lehrgut Köllitsch, wo Sachsens beste Melker um die Milch-Krone kämpfen.

Vorsichtig steckt Vanessa Wendler (17) "Nummer 27" ein Fieberthermometer in den Hintern. Die Schwarz-Bunte nimmt’s gelassen und wiederkäut friedlich. Die "27" ist eine Ausbildungskuh und verrichtet heute am Prüfungsstand "Gesundheitskontrolle" ihren Job.

Hier müssen die 40 Melker, die derzeit im Landeswettbewerb antreten, den Zustand eines Tieres beurteilen und den Prüfern erklären, wie sie beispielsweise eine Entzündung der Milchdrüsen erkennen und darauf reagieren. "38 Grad, alles in Ordnung", sagt die angehende Landwirtin aus dem Vogtland und krault der "27" kurz an der Schwanzwurzel.

Vanessa Wendler misst bei "Nummer 27" Fieber und beantwortet nebenbei Fragen zur Tiergesundheit.
Vanessa Wendler misst bei "Nummer 27" Fieber und beantwortet nebenbei Fragen zur Tiergesundheit.  © Frank Schmidt

"Die Tiere mögen den Körperkontakt, Streicheln und Kraulen beruhigen", sagt Agrar-Ingenieur Hans-Joachim Liepold (49), der den Landesausscheid organisiert.

Allerdings: Der Bauer, der auf dem Schemel sitzt und nacheinander seine Kühe melkt - das gibt es fast nur noch im Film. Die Milchgewinnung ist inzwischen durchtechnisiert. Große Melkanlagen, die je nach Tieranordnung Karussell, Fischgräte oder Side-by-Side heißen, erledigen den Job. Unterdruck im Melkbecher ersetzt die Fingerarbeit.

Braucht ein guter Handmelker etwa zehn Minuten, bevor das Euter leer ist, schafft es die Maschine in fünf bis sechs. Zwar wird im Wettbewerb auch die Fertigkeit beim Handmelken geprüft, doch Champion kann nur werden, wer die Kuh optimal im Melkstand betreut.

"Vorstimulieren, dann die Zitzen reinigen und das Melkzeug anlegen", zählt Liepold die Arbeitsschritte auf. Und dabei keine Hektik ausstrahlen, denn das Stresshormon Adrenalin hemmt die Wirkung des Oxytocin-Hormons, das für das Einschießen der Milch zuständig ist.

Der Wettbewerb dauert bis Donnerstag an. Die Kürung von Sachsens bestem Melker erfolgt dann am 2. März.

Die Wettbewerbs-Teilnehmerinnen Vanessa Wendler (l.) und Maria Zöphel müssen in diesen Trögen Futterzutaten wie Grassilage und Haferschrot erkennen und über ihre Verwendung Bescheid wissen.
Die Wettbewerbs-Teilnehmerinnen Vanessa Wendler (l.) und Maria Zöphel müssen in diesen Trögen Futterzutaten wie Grassilage und Haferschrot erkennen und über ihre Verwendung Bescheid wissen.  © Frank Schmidt
Die 120 Kühe im nordsächsischen Lehr- und Versuchsgut Köllitsch dienen vorrangig der Ausbildung künftiger Land- und Tierwirte.
Die 120 Kühe im nordsächsischen Lehr- und Versuchsgut Köllitsch dienen vorrangig der Ausbildung künftiger Land- und Tierwirte.  © Frank Schmidt

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