Studie zeigt: Eltern geben viel zu viel Geld für Weihnachtsgeschenke aus

Warburg – Wie teuer sollen eigentlich die Weihnachtsgeschenke für die Kinder sein? Ein Marktforschungsinstitut untersuchte, wie viel Geld Eltern für die strahlenden Kinderaugen am Weihnachtstag ausgeben.

Für strahlende Kinderaugen am Weihnachtsabend geben Eltern gerne mehrere hundert Euro aus. (Symbolbild)
Für strahlende Kinderaugen am Weihnachtsabend geben Eltern gerne mehrere hundert Euro aus. (Symbolbild)  © 123RF

Pro Kind geben Eltern durchschnittlich mehr als 160 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. Das stellte das Marktforschungsinstitut Iconkids & Youth fest, das 1996 von einem Team Kinder- und Jugendforscher gegründet wurde.

Dazu wurden rund 150 Markt- und Meinungsforschungsstudien durchgeführt, berichtete die Neue Westfälische.

Für die Höhe der Ausgaben befragte das Institut in Deutschland 1.216 Mütter von 3- bis 13-jährigen Kindern. Aus allen Ergebnissen wurde ein Mittelwert gezogen.

"Das überrascht mich nicht", betonte Frank Scholle, Schulleiter des Gymnasium Marianum. Und auch Petra Engemann-Ludwig, Leiterin des Familienzentrums St. Martin auf der Hüffert, hält den Wert für realistisch. "Schon zum Nikolaus-Festtag haben viele Kinder von ihren Geschenken erzählt, die weit über Süßigkeiten hinausgingen. Da habe ich mich gewundert und gefragt, was es dann wohl noch zu Weihnachten geben wird. Und die Geschenke der Großeltern kommen ja auch noch oben drauf", erläuterte sie.

Gemeinsame Zeit ist das schönste Geschenk

Experten empfehlen Geschenke, die Zeit miteinander ermöglichen. (Symbolbild)
Experten empfehlen Geschenke, die Zeit miteinander ermöglichen. (Symbolbild)  © 123RF

Viele Familien können sich solche teuren Geschenke aber nicht leisten, es gäbe große Abstände in den Extremen.

Christa Padberg-Peters, Leiterin der Falk-Schule, sagte dazu: "Zu Weihnachten geht insgesamt zu viel Geld über den Tisch, es wird zu viel Materielles verschenkt". Gemeinsame Zeit sei doch ein viel schöneres Geschenk.

Engemann-Ludwig betonte, dass es negative Auswirkungen auf das Kind haben könnte, wenn die Eltern so viel Geld für die Geschenke ausgeben. "Viele Spiele bedeuten eben nicht, dass das Kind intensiv spielt, im Gegenteil. Spielen bleibt auf der Strecke, wenn das Kind von der Menge überfordert ist", erklärte sie.

Scholle sieht das Problem darin, das Eltern sich häufig von ihren Kindern überzeugen lassen. "Es muss auch nicht immer Technik sein. Wichtig ist, dass die Eltern wissen, worüber sich ihr Kind freut und wenn das Geschenk dann noch einen Mehrwert hat, umso besser", erklärte er. Bei kostspieligen Geschenken empfiehlt der Pädagoge, die Kinder durch finanzielle Beteiligung mit einzubeziehen.

"Unterm Tannenbaum sollte nichts Elektronisches liegen, sondern Geschenke, bei denen sich Menschen miteinander beschäftigen und nicht jeder alleine für sich", gibt Inga Ribbentrup, Leiterin Abteilung Soziale Dienste beim Kreis Höxter zu Bedenken. Auch Gesellschaftsspiele seien eine gute Idee: "Die bringen die Familie zusammen, die Zeit miteinander verbringt", sagte Beate Bee, Leiterin der Grundschule Willebadessen.

Mohammad Mehranfar, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, lernt in seiner Praxis viele Kinder aus unterschiedlichen Schichten kennen: "Eltern möchten ihrem Kind immer etwas Gutes tun", sagte er. Doch durch die teuren Geschenke wird auch das Konkurrenzverhalten unterstützt: "Indem sie mit teuren Geschenken das Konkurrenzverhalten unter den Kindern anfeuern." Viele Kinder geben mit ihren Geschenken an und isolieren so andere, "weil sie schlichtweg nicht mithalten können."

"Wenn sich teure Geschenke häufen, können junge Menschen immer unzufriedener werden und mit sich selbst kaum noch etwas anfangen", betonte Mehranfar. Die besten Geschenke seien "was man zusammen erleben kann, etwas, das Beziehungen stärkt."

Titelfoto: 123RF


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