Welches Geheimnis verbirgt die alte Kloster-Gruft?

Mit einem mobilen Röntgen-Gerät durchleuchtet Forscherin Amelie Alterauge (29) die Mumien in der Gruft der Klosterkirche Riesa.
Mit einem mobilen Röntgen-Gerät durchleuchtet Forscherin Amelie Alterauge (29) die Mumien in der Gruft der Klosterkirche Riesa.  © Steffen Giersch

Riesa - Gruselige Wissenschaft! Eine Forscherin untersucht jetzt erstmals die berühmten Mumien aus Riesa, die in der Gruft der Klosterkirche liegen.

Sie will die Geheimnisse der alten Bestattungsrituale lüften. Dafür kommen die Leichen aus dem Gotteshaus sogar unters Röntgengerät.

Unterm Altar lockt das Reich der Toten: 24 Mumien liegen in Särgen in der Kirchengruft. Anthropologin und Archäologin Amelie Alterauge (29) ergründet für ihre Promotion an der Uni Heidelberg neuzeitliche Bestattungsrituale, steigt dafür in die Riesaer Grabkammer hinab.

"Es gibt noch viele Rätsel zu lösen", sagt die Wissenschaftlerin. Eins davon: "Wussten die Verstorbenen überhaupt, dass sie mumifiziert werden?"

Denn anders als in Ägypten wurden die Leichen offenbar nicht einbalsamiert. Stattdessen führte ein besonderes Lüftungssystem zur Vertrocknung der Leichen: Zwei Luftschächte wurden so hoch angelegt, dass keine Bodenfeuchte in die Gruft eindringen konnte. So verwesten die Mumien nicht.

War das Absicht oder Zufall? Teils tragen die Mumien sogar noch Kleider aus Samt und Seide. Es waren Rittergutsherren und ihre Angehörigen, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert im zum Rittergut umgebauten Kloster lebten, dem niederen Adel angehörten.

Ein Leichnam ist schon 380 Jahre alt - ein 1637 verstorbenes Kind. "Das Geschlecht kennen wir noch nicht. Ob es noch ältere Leichname gibt, wollen wir herausfinden", sagt Amelie Alterauge.

Unklar auch, ob 1833 der letzte Tote in der Gruft aufgebahrt wurde - angeblich ein Kartograf Napoleons. Darum röntgt die Forscherin die Mumien mit einem mobilen Gerät, will so Alter, Knochenbau, Krankheiten bestimmen.

"1828 wurde der Bestand der Mumien zuletzt erfasst", sagt Kirchgemeinden-Vorstand Michael Herold (59). "Für uns ist die Forschungsarbeit darum ein Glücksfall." Nur aller paar Jahre ist die Grabkammer öffentlich zugänglich.

Wenn die Forscherin ihre Ergebnisse vorstellt (frühestens in einem Jahr), soll auch die Gruft wieder für kurze Zeit öffnen.


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