Mord vor 73 Jahren: Was geschah im Schacht?

Zwickau - Er sah dem Tod direkt ins Auge. Mit 18 Jahren kämpfte sich Hans Häber (76) in 1000 Meter Tiefe durch Feuer, Staub, Gas und Dunkelheit aus dem Zwickauer Steinkohleschacht. Vorbei an sterbenden Kameraden. Seine Erinnerungen an das schwere Zwickauer Grubenunglück von 1960 hielt er in dem Buch "Tod in 1000 Meter Tiefe" fest.

Hans Häber (76), Überlebender des schweren Zwickauer Grubenunglücks von 1960, arbeitet in seinem jüngsten Buch den Mord an fünf Zwickauer Bergingenieuren auf.
Hans Häber (76), Überlebender des schweren Zwickauer Grubenunglücks von 1960, arbeitet in seinem jüngsten Buch den Mord an fünf Zwickauer Bergingenieuren auf.  © Uwe Meinhold

In seinem jüngsten Werk aber dreht sich alles um ein jahrelang vertuschtes Gewaltverbrechen. In der Nacht vom 14. zum 15. Juni 1945 waren fünf Zwickauer Bergingenieure von "Anarchisten mit kommunistischem Hintergrund" im Schacht III des Morgenstern-Werkes (später Martin Hoop) erschossen worden.

Der Grund für den Mord: Die fünf Bergingenieure besaßen Anteile am Schacht. Die wollten sie nicht hergeben. Ihr Todesurteil.

"Bis heute ist dieses Verbrechen ungesühnt", sagt Häber. Die DDR hatte kein Interesse an der Aufklärung. Doch auch nach der Wende wollte niemand dieses Thema anfassen. Auch die Stadt Zwickau nicht, obwohl der damalige OB Rainer Eichhorn 1993 eine Gedenkstele aufstellen ließ. Damit war das Engagement erschöpft. Für Häber unverständlich: "Mord bleibt Mord, auch bei politischem Mord."

In akribischer Kleinarbeit machte er sich auf die Suche nach Fakten, verbrachte zwei Jahre in verschiedenen Archiven. Dabei gelang es ihm, die fünf Opfer auch namentlich zu benennen und ihnen mittels alter Fotos ein Gesicht zu geben. "Das war vor uns noch niemandem gelungen."

Jetzt kämpft Häber dafür, die Erinnerung an die ermordeten Arno Bretschneider, Kurt Hartung, Hans Bergmann, Herbert Bretschneider und Paul Bräunling wachzuhalten. Am 15. Juni soll es eine Gedenkfeier geben.


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