Von Dorothea Hülsmeier
Düsseldorf - Schockanruf oder Enkeltrick - der Schaden aus solchen Delikten ist in den vergangenen Jahren gestiegen, obwohl die Gesamtzahl der erfassten Taten zurückgeht.
Die Schadenssumme lag laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) 2025 allein in Nordrhein-Westfalen bei 34,1 Millionen Euro. Im Jahr 2020 waren es noch 25,3 Millionen Euro, wie aus einer Stellungnahme des Instituts für Kriminalwissenschaften der Uni Münster für eine Anhörung im NRW-Landtag am kommenden Donnerstag (12. November) hervorgeht.
Hinzu kommen aus dem Ausland verübte Betrugstaten gegen ältere Menschen. Hier stieg die Schadenssumme 2025 auf 7,1 Millionen Euro (2024: 6,9 Millionen).
Im Jahr 2025 wurden in NRW laut Statistik gut 2600 Straftaten zum Nachteil älterer Menschen mit überregional handelnden Tätern registriert - ein Rückgang um 345 Fälle (-11,7 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. 816 Fälle wurden aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von 31,3 Prozent entspricht.
Die Zahl der aus dem Ausland begangenen Taten sank seit 2020 von damals gut 35.000 sogar auf knapp 12.000 Taten vergangenes Jahr. Damit machen die Auslandszahlen trotz des starken Rückgangs immer noch den weitaus größten Anteil aus.
Doch handelt es sich bei 95 Prozent fast ausschließlich um Versuche. Bei den im Inland verübten Taten gelangten dagegen drei von vier erfassten Fällen zur Vollendung.
NRW-SPD will Bankangestellte stärker in Pflicht nehmen
Zwar sei die Gesamtzahl der Taten rückläufig, doch der Schaden nehme sowohl bei den Inlands- als auch bei den Auslandsfällen zu, so die Forschenden. Für sie ist klar: "Der Rückgang der Fallzahlen allein belegt daher keine abnehmende Dringlichkeit. Ausschlaggebend ist die Entwicklung der vollendeten Taten und der verursachten Schäden."
Für viele Opfer bedeuteten solche perfiden Betrugsmaschen nicht nur erhebliche finanzielle Verluste, sondern mitunter existenzielle Einschnitte, so die SPD in einem Antrag für die Anhörung. Hinzu kämen vielfach schwerwiegende seelische Folgen, die ältere Menschen besonders stark belasten.
In einer landesweit abgestimmten Präventionsoffensive sollten nach Ansicht der SPD Polizei, Pflege- und Gesundheitswesen, Banken und Verbraucherschutz enger vernetzt und interdisziplinär arbeiten. Gerade wenn hochbetagte Menschen aufgrund körperlicher oder kognitiver Einschränkungen Warnhinweise nur noch begrenzt aufnehmen könnten, müssten verlässliche Drittpersonen als Schutz- und Unterstützungsinstanzen einbezogen werden.
Vor allem Bankangestellte können im Verdachtsfall eingreifen, wenn ein betagter Kunde oder eine Kundin plötzlich eine hohe Bargeldsumme vom Konto abheben will. Die Bankmitarbeiter sollten nach Ansicht der SPD landesweit abgestimmte Handlungsleitlinien und Schulungen erhalten. Banken kommt auch nach Ansicht von Kriminologen eine wichtige "Guardian-Funktion" zu, weil sie oft als letzte Instanz verdächtige Transaktionen noch erkennen könnten.