Von Helge Toben, Andreas Hoenig und Alina Eultgem
Bonn - In NRW sollen gleich drei neue Gaskraftwerke entstehen. Den Zuschlag der Bundesregierung bekommt dabei jeweils der Energiekonzern RWE. Doch die Pläne sorgen auch für Kritik.
Wenn Kohlekraftwerke nach und nach abgeschaltet werden, muss trotzdem jederzeit genug Strom verfügbar sein. Gaskraftwerke sollen dabei einspringen: Sie können schnell hochgefahren werden, wenn Wind und Sonne gerade nicht ausreichend Energie liefern.
Bei der ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur wurden elf Projekte ausgewählt. Drei davon liegen in NRW: in Werne im Kreis Unna, Weisweiler in der Städteregion Aachen und Voerde im Kreis Wesel. An allen drei Standorten betreibt RWE bereits Kraftwerke.
Der Konzern will dort Anlagen mit moderner Technik errichten. Die erste könnte laut RWE bereits 2030 in Betrieb gehen.
Weil an den Standorten wichtige Infrastruktur wie Stromanschlüsse bereits vorhanden ist, können die Projekte vergleichsweise schnell umgesetzt werden.
Umweltverbände sehen Strompreise in Gefahr
Die Förderung hat auch eine Kehrseite: Die Kosten für die elf ausgewählten Kraftwerksprojekte liegen bei mehr als 800 Millionen Euro pro Jahr. Bezahlt werden soll das Geld über eine neue Umlage, die alle Stromkunden in Deutschland tragen müssten. Um wie viel, ist allerdings noch offen.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte die Pläne. "Die Bundesregierung lässt Stromkundinnen und Stromkunden für neue fossile Kraftwerke zahlen und verkauft das als Versorgungssicherheit", erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner.
Zudem würden vor allem große Energiekonzerne von der Förderung profitieren, während Batteriespeicher leer ausgehen. Dies zeige, "dass hier die Geschäftsinteressen fossiler Megakonzerne dominieren".
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (53/CDU) hält die Ausschreibung dagegen für einen Erfolg. Sie betont, dass die Förderung deutlich günstiger ausfällt als zunächst möglich gewesen wäre.