10.500 Jahre alter Fund: Arendsee gibt Archäologen tiefen Einblick in die Mittelsteinzeit

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Von Thomas Schöne

Arendsee/Halle - Eine sensationelle Entdeckung mit etwa 10.500 Jahre alten, gut erhaltenen Hölzern ist bei unterwasserarchäologischen Untersuchungen im Arendsee (Altmarkkreis) gelungen.

Die Fundstelle liegt in etwa 20 Metern Tiefe.
Die Fundstelle liegt in etwa 20 Metern Tiefe.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

"Die Stücke weisen Bearbeitungsspuren auf und könnten nach ersten Erkenntnissen zu ehemaligen Holzkonstruktionen gehört haben", sagte der Projektleiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt, Marcel Weiß.

"Derzeit wird geprüft, ob es sich dabei um Reste von Hütten, anderen Bauten oder bislang unbekannten Konstruktionen handelt."

Die Arendsee-Funde stammen aus einer Zeit rund 3000 Jahre vor der Ankunft der ersten Bauern in Mitteldeutschland.

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"Sollte sich herausstellen, dass die Hölzer tatsächlich einen Hinweis auf eine wesentlich frühere und intensivere Gestaltung der Landschaft durch Jäger und Sammler darstellen, hätte dies Folgen für das Verständnis der Jäger- und Sammlergesellschaften und für die Entwicklung menschlich geprägter Kulturlandschaften", sagte Weiß.

Die Fundstelle liegt in etwa 20 Metern Tiefe. Zu den spektakulären Funden gehört nach Angaben des LDA unter anderem ein etwa 1,60 Meter hoher Pfahl mit Fällspuren. Außerdem wurden bis zu 1,30 Meter lange Spaltbretter geborgen.

Hinweise auf gestaltete Lebensräume

Die Funde könnten eine Forschungslücke schließen. "Neben den üblicherweise aus dieser Zeit erhaltenen Funden, wie Steingeräten oder Tierknochen, konnten unsere Taucher spektakuläre Hölzer bergen, welche aus dieser Epoche nur sehr selten erhalten geblieben sind", sagte Landesarchäologe Harald Meller. "Die Funde eröffnen einen neuen Blick auf die Mittelsteinzeit."

Das Mesolithikum, wie Archäologen die Mittelsteinzeit nennen, begann in Mitteleuropa nach dem Ende der letzten Eiszeit. Die Menschen lebten damals noch nicht als Bauern in dauerhaft angelegten Siedlungen. Sie ernährten sich unter anderem von Jagd, Fischfang und dem Sammeln pflanzlicher Nahrung und bewegten sich je nach Jahreszeit und verfügbaren Ressourcen in unterschiedlichen Lebensräumen.

Arendsee bewahrt Spuren aus verschiedenen Epochen

Mit einem Unterwasserroboter fertigten die Forscher hochauflösende Sonar-Scans an.
Mit einem Unterwasserroboter fertigten die Forscher hochauflösende Sonar-Scans an.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Dass sich im Arendsee empfindliche organische Materialien über so lange Zeiträume erhalten konnten, hängt nach Angaben des LDA mit einer besonderen geologischen Situation zusammen.

Während viele Binnengewässer im Laufe der Jahrtausende zunehmend verlanden, sinkt der Grund des Arendsees aufgrund geologischer Prozesse langsam ab. Ursache ist ein im Untergrund liegender Salzstock.

Die Bedingungen unter Wasser verhinderten demnach weitgehend die Zersetzung der Hölzer und sorgten für deren außergewöhnliche Erhaltung.

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Nach der Entdeckung im Frühjahr 2026 wurden weitere Proben und einzelne Funde geborgen. Damit sollen unter anderem das Alter und die räumliche Ausdehnung der Fundstelle genauer bestimmt werden.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer IOSB-AST in Ilmenau setzten die Archäologen ein sogenanntes Remote Operated Vehicle (ROV) ein. Der ferngesteuerte Unterwasserroboter fertigte hochauflösende Sonar-Scans an.

Mit den Aufnahmen soll das Relief des ehemaligen Seeufers dokumentiert werden. Die genaue räumliche Zuordnung der einzelnen Fundstellen ermöglicht es den Forschern, mögliche weitere Fundbereiche einzugrenzen und künftige archäologische Tauchgänge gezielter vorzubereiten.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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