Gedenken an Attentat von Halle: Spontaner Protest verhindert Teilnahme von AfD-Politiker

❤️️
😂️
😱️
🔥️
😥️
👏️

Von Sebastian Münster

Halle (Saale) - Der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider (48) hat versucht, an der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an das antisemitische Attentat in Halle teilzunehmen.

Hans-Joachim Tillschneider (48, AfD) wurde beim Versuch, die Gedenkveranstaltung zum Attentat von Halle zu besuchen, von Demonstranten daran gehindert.
Hans-Joachim Tillschneider (48, AfD) wurde beim Versuch, die Gedenkveranstaltung zum Attentat von Halle zu besuchen, von Demonstranten daran gehindert.  © Hendrik Schmidt/dpa

Wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Halle bestätigte, wollte Tillschneider das Gelände der Synagoge kurz vor Beginn der Gedenkveranstaltung am Freitagmittag betreten.

Mehrere Anwesende bildeten aber eine Menschenkette vor dem Eingang zu dem Gelände und hinderten den Politiker so an der Teilnahme an der Veranstaltung. 

Die AfD wird in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuft. Sie gewann dennoch die Landtagswahl im September, Tillschneider wurde am Dienstag zum Vizepräsidenten des neuen Landtags in Magdeburg gewählt.

65-Jährige überweist 300.000 Euro an Fake-Lover
Sachsen-Anhalt 65-Jährige überweist 300.000 Euro an Fake-Lover

Die Teilnehmer der Menschenkette in Halle protestierten gegen den Besuch Tillschneiders bei der Gedenkveranstaltung. Es habe sich um eine spontane Versammlung gehandelt, so die Polizei.

Mitglieder der Versammlungsbehörde hätten zwischen Tillschneider und den Demonstrierenden vermittelt, die Situation sei ruhig geblieben. Nach längerer Diskussion habe der AfD-Politiker den Ort schließlich verlassen.

Bewaffneter Rechtsextremist erschoss zwei Passanten an Jom Kippur

Als Tillschneider nicht zur Veranstaltung durchgelassen wurde, verließ er den Ort.
Als Tillschneider nicht zur Veranstaltung durchgelassen wurde, verließ er den Ort.  © Hendrik Schmidt/dpa

In mehreren Veranstaltungen wird in Halle am heutigen Freitag der Opfer des antisemitisch motivierten Anschlags an der Synagoge vor sieben Jahren gedacht.

Auch der geschäftsführende Ministerpräsident Sven Schulze (47) und sein Amtsvorgänger Reiner Haseloff (72, beide CDU) nehmen am Gedenken teil.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, in die Synagoge einzudringen.

Mit Glockengeläut und Schweigeminute: Halle erinnert an die Opfer des tödlichen Attentats auf Synagoge
Sachsen-Anhalt Mit Glockengeläut und Schweigeminute: Halle erinnert an die Opfer des tödlichen Attentats auf Synagoge

Als ihm das nicht gelang, erschoss er davor eine 40 Jahre alte Passantin und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Gast.

Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter zahlreiche weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde.

Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte ihn 2020 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

Mehr zum Thema Sachsen-Anhalt: