40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich bei VW? Gewerkschaft und Politik laufen Sturm gegen Kretschmers Forderung

Zwickau/Dresden - Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) ist bei möglichen Schritten, die zur Sicherung des VW-Standorts Zwickau beitragen könnten, konkreter geworden. Für die Gewerkschaft ist der Vorschlag aber völlig inakzeptabel - und sie ist damit nicht allein.

Sein Vorschlag einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich kam bei Belegschaft und Gewerkschaft nicht gut an: Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU).  © Robert Michael/dpa

Man müsse über eine Abschaffung der 35-Stunden-Woche reden, hatte der Regierungschef gegenüber "MDR aktuell" gesagt. Mit einer 40-Stunden-Woche - ohne entsprechenden Lohnausgleich, wohlgemerkt - hätten die Autokonzerne die Produktivität, die sie bräuchten, so Kretschmer.

Die IG Metall reagierte prompt. Die Produktionskosten seien weniger entscheidend als die Frage, wie der VW-Konzern die schwächelnden Absätze wieder steigern könnte, so der Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, Jan Otto (45).

Auch das BSW hält Kretschmers Vorschlag für fragwürdig. "Das Werk leidet nicht unter einem Mangel an Arbeitsstunden, sondern unter fehlender Auslastung", sagte der Landtagsabgeordnete Bernd Rudolph (64). Er ist übrigens auch Vorsitzender der BSW-Fraktion im Zwickauer Stadtrat.

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Statt die Auslastung zu erhöhen, erhöht der Konzern den Druck auf die Beschäftigten weiter. Vielleicht auch, um von den eigenen Versäumnissen und vom Fehlen einer wirklichen Zukunftsvision abzulenken.

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Beim Besuch des Konzernchefs am Mittwoch gaben die Beschäftigten mit Fahnen und Transparenten ihrem Unmut über die fehlende Zukunftssicherheit des Werks Ausdruck. Buh-Rufe während der Betriebsversammlung gab es für Blume aber nur vereinzelt.  © Uwe Meinhold
Die Produktionskosten sind nicht entscheidend, erklärte Jan Otto (45) von der IG Metall.  © Norbert Neumann
Mehr arbeiten oder mehr Modelle in der Fertigung? Der Streit spitzt sich zu. Der Rettung des VW-Werks in Zwickau nützt das wenig.  © imago/Chris Emil Janßen

Fabrikkosten zu hoch

Alles Kalkül? - Linken-Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper (47).  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

So hatte Konzernchef Oliver Blume (58) bei seinem ersten und bisher einzigen Besuch in Zwickau am Mittwoch die Belegschaft zwar ganz ausdrücklich gelobt. Das große Aber: Die Arbeitskosten liegen heute bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte. Und auch bei den Fabrikkosten liegen andere Werke noch deutlich günstiger. "Das ist kein Vorwurf, es ist die Realität, an der wir uns messen lassen müssen“, so Blume.

Die Grünen im Landtag sehen indes auch Kretschmer in der Pflicht. "Der Ministerpräsident steht im Wort und muss sich gegenüber der Konzernspitze klar für den Standort, eine langfristige Perspektive und Sicherheit für die Beschäftigten einzusetzen", fordert Kretschmers Ex-Stellvertreter, der jetzige Landtagsabgeordnete Wolfram Günther (53).

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper (47) wähnt hinter der Nichtauslastung des VW-Werks Kalkül. "So erzeugt man jene ,Kostengründe‘, die es eines Tages rechtfertigen sollen, nach mehr als 120 Jahren Automobilbau in Zwickau alle Lichter auszuknipsen."

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Ein Platz in den Geschichtsbüchern wäre der VW-Führungsriege jedenfalls sicher, so Schaper.

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