Der Leipziger Maler-Star und sein Cranach-Altar in Rom

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Leipzig - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) reiste diese Woche nach Rom zu einer Privataudienz bei Papst Leo XIV. Das Oberhaupt der katholischen Kirche empfing den Politiker im Vatikan. Kretschmer nutzte danach die Gelegenheit, um vor Ort dem Leipziger Maler-Star Michael Triegel (58) zu begegnen. Dessen berühmtestes Werk befindet sich derzeit am Tiber vorübergehend im Exil. Das Werk wird so sehr geliebt wie geschmäht.

Der Leipziger Maler Michael Triegel (58, l.) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) vor dem umstrittenen Cranach-Triegel-Altar in Rom.
Der Leipziger Maler Michael Triegel (58, l.) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) vor dem umstrittenen Cranach-Triegel-Altar in Rom.  © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Kretschmer und Triegel trafen sich im Schatten des Petersdoms in der katholischen Marienkirche auf dem Gelände des Campo Santo Teutonico.

In dem Gotteshaus wird noch bis Herbst 2027 der Altar aus dem evangelischen Dom von Naumburg (Sachsen-Anhalt) ausgestellt. Das Kunstwerk schuf Lucas Cranach der Ältere (1472-1553). Triegel vervollständigte den zerstörten Mittelteil des Marienaltars, der im rabiaten Bildersturm der Reformation unwiederbringlich Schaden nahm.

"Das Mittelstück zeigte die Gottesmutter Maria mit Kind", so der Künstler. Der Leipziger erschuf eine Altartafel im Stil der Cranach-Malerei mit Menschen, wie man sie heute in der Straßenbahn treffen könnte.

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Triegels Marienbild bezeugt seine Liebe zum Leben, tiefe Spiritualität und Humanität. "Ich wollte ein Bild malen, das von Gemeinschaft kündet und das Verbindende im Blick hat", so Triegel zu Kretschmer, der sichtlich Gefallen an dem Werk und der Intension des Künstlers hatte.

Die Begegnung beider Männer hatte in Rom dennoch eine bittere Note. Der Cranach-Triegel-Altar ist im Vatikan im Exil, weil ein erbitterter Streit um seinen Standort im Westchor des Naumburger Doms zwischen den berühmten hochmittelalterlichen Stifterfiguren tobt.

Westchor ohne Altarbild: Wenn es nach dem Willen der UNESCO geht, wird der Altar dort nicht wieder aufgestellt.
Westchor ohne Altarbild: Wenn es nach dem Willen der UNESCO geht, wird der Altar dort nicht wieder aufgestellt.  © imago/Schöning
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Altar muss aus dem Westchor weichen

Ein Restauratoren-Team bei der Demontage des Cranach-Triegel-Altars vor seiner Abreise nach Rom.
Ein Restauratoren-Team bei der Demontage des Cranach-Triegel-Altars vor seiner Abreise nach Rom.  © picture alliance/dpa

Die Vereinigten Domstifter sehen den Altar dort an seinem Ursprungsort. Der Weltdenkmalrat Icomos dagegen kritisiert, dass das Kunstwerk die Sicht auf die berühmten Stifterfiguren störe und die "äußerst sensiblen Blickbeziehungen im Westchor" beeinträchtige.

2025 entschied die UNESCO, dass der Cranach-Triegel-Altar dauerhaft im Naumburger Dom bleiben darf, jedoch seinen bisherigen Standort im Westchor räumen muss.

Künftig soll der Altar im Nordquerhaus aufgestellt werden. Andernfalls drohte Icomos an, dem Dom seinen UNESCO-Welterbetitel (2018 verliehen) abzuerkennen.

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Am Abend nach dem Vatikan-Besuch trafen sich Kretschmer und Triegel noch einmal bei einem Empfang.

Sachsens Ministerpräsident sicherte dem Maler dort in seiner Rede Rückhalt zu: "Sollte der Altar nicht in Naumburg bleiben können, finden wir in Sachsen dafür einen wunderschönen Platz."

Blick auf das neue Zentrum Welterbe mit einem romanischen Wohnturm am Naumburger Dom. Der Dom wurde 2018 in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen.
Blick auf das neue Zentrum Welterbe mit einem romanischen Wohnturm am Naumburger Dom. Der Dom wurde 2018 in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen.  © picture alliance/dpa

Der Papstmaler

Michael Triegel in seinem Leipziger Atelier. Er arbeitet dort an Gemälden, Grafiken und Zeichnungen.
Michael Triegel in seinem Leipziger Atelier. Er arbeitet dort an Gemälden, Grafiken und Zeichnungen.  © picture alliance/dpa

Michael Triegel wird 1968 in Erfurt geboren. 1990 begann er das Studium der Malerei und Grafik bei Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

1995 schloss er es mit Diplom ab. Triegel lebt und arbeitet bis heute in der Messestadt. Er hat sich auf religiöse und kirchliche Themen spezialisiert.

Mit seinem altmeisterlichen Stil erinnert seine Kunst an die italienische Renaissance, inhaltlich ist sie jedoch ambivalent und voller Anspielungen - etwa an die Bibel, Figuren der antiken Mythologie oder der Moderne.

Der Künstler wurde als "Papstmaler" bekannt, nachdem er 2010 beauftragt wurde ein Porträt des damaligen Papstes Benedikt XVI. anzufertigen.

2025 schuf er für die Kirche des Klosters Wechselburg ein Bildnis der heiligen Teresia Benedicta vom Kreuz. Die Basilika Wechselburg erhielt damit als erste Kirche in Sachsen ein Altarbild von Triegel.

Sieben Details, die überraschen

Der Standort-Streit entbrannte nach der Altarweihe im Sommer 2022. Zwischenzeitlich wurde der Altar auch schon in Paderborn und Wien ausgestellt.
Der Standort-Streit entbrannte nach der Altarweihe im Sommer 2022. Zwischenzeitlich wurde der Altar auch schon in Paderborn und Wien ausgestellt.  © picture alliance/dpa

Martin Triegel hat sich mit seinem Malstil bei der Neugestaltung des Altars an Lucas Cranach dem Älteren orientiert. Er schuf zwischen 2020 und 2022 das fehlende Mittelstück sowie eine Predella (Sockel) in seinem Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei.

Das neue Mittelfeld gestaltete er als sogenannte Sacra Conversazione ("heilige Unterredung"): Die thronende Madonna ist umgeben von den Heiligen Elisabeth von Thüringen und Anna. Der Künstler ließ es sich bei dem klassischen Bildaufbau aber nicht nehmen, seine Gedanken und Ideen einfließen zu lassen. Hier sind sieben bemerkenswerte Details:

1. Vorbild für die Maria war seine damals 16-jährige Tochter Elisabeth.

2. Für das Jesuskind stand ein Säugling Modell.

3. Die heilige Anna gleicht seiner Ehefrau Christine Salzmann bis aufs fein gemalte Haar.

4. Als Heiligenfigur erscheint auf dem Holz auch der von den Nazis hingerichtete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). Die Anregung dazu kam von den Vereinigten Domstiftern.

5. Als Vorbild für die Petrus Figur (auf dem Gemälde mit Schlüssel und einer Basecap) diente ein deutscher Obdachloser namens Burkhard Scheffler, der häufig unter den Kolonnaden des Petersplatzes schlief. In einer besonders kalten Nacht im November 2022 erfror Scheffler dort. Auf Bitten von Papst Franziskus wurde er auf dem deutschen Friedhof im Vatikan bestattet - als erster Protestant überhaupt. Der Altar steht jetzt nur wenige Meter von seinem Grab entfernt. Das ist bis vor kurzem niemandem bewusst gewesen.

6. Der Cranach-Triegel-Altar zeigt am rechten oberen Bildrand Dompatron Paulus - als Rabbiner mit schwarzem Hut und Buch. Als Vorlage beim Malen diente Triegel das Bild eines Rabbiners, den er an der Klagemauer in Jerusalem getroffen hatte.

7. Die Rückseite des Mittelteils zeigt den auferstandenen Christus als Heiland der Welt.

Titelfoto: Montage: Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c; picture alliance/dpa

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