Erste Alarmstufe ausgerufen: Talsperren vor dem Trinkwasserkollaps?
Dresden/Klingenberg - Die erste Sparstufe ist erreicht, die wichtigste Wasserreserve der Region schwindet – und Dresden verbraucht so viel Trinkwasser wie nie zuvor! Sitzt die Landeshauptstadt bald auf dem Trockenen?
Nur noch rund vier Millionen Kubikmeter Wasser stehen derzeit in der Talsperre Lehnmühle. Normalerweise sollen es etwa 15 Millionen sein, erklärt Staumeister Alexander Stefan (39).
Wegen Bauarbeiten an der Talsperre Lichtenberg wären in diesem Jahr sogar zwei Millionen Kubikmeter zusätzlich als Reserve vorgesehen gewesen. Doch schon im Frühjahr war klar: Das Wasser fehlt.
"Der Winter war quasi nicht vorhanden", so Stefan weiter. Auch danach fiel zu wenig Regen. Im Juli erreichten die Zuflüsse zu Sachsens Talsperren gerade einmal 32 Prozent des langjährigen Monatsmittels.
Das gesamte System Klingenberg-Lehnmühle steht deshalb nur noch bei 53 Prozent seines Stauziels. Vor einem Jahr waren es 66 Prozent.
Das Problem: Aus Klingenberg kommen 60 Prozent des Rohwassers für Dresden, Freital und Teile des Osterzgebirges. Zusätzlich wird das System mit Wasser aus der Talsperre Rauschenbach gestützt.
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Offiziell keine Alarmstufe für die Bevölkerung
Gleichzeitig erreichte Dresden einen Verbrauchsrekord: Ende Juni schon flossen 173.000 Kubikmeter Trinkwasser durch die Leitungen, ein Plus von fast 48 Prozent - vor den Hitzewellen.
"Die Trinkwasserversorgung ist abgesichert", sagt Stefan weiter. Doch kommt in den nächsten Monaten kaum Wasser nach, wird die Reserve weiter aufgezehrt. Inzwischen gilt im Verbundsystem die Bereitstellungsstufe 1 – die erste von drei Sparstufen.
Offiziell ist das keine Alarmstufe für die Bevölkerung: Niemandem wird deshalb das Wasser abgestellt. Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) begrenzt aber die maximale Rohwassermenge, die Versorger aus dem System beziehen dürfen. Mit jeder weiteren Stufe wird die Abgabe stärker gedrosselt, damit der verbliebene Vorrat länger reicht.
Das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (hatte bereits ein Gießverbot erlassen) rechnet bereits im kommenden Monat mit Stufe 2. Stufe 3 sei bis zum Ende des Sommers möglich.
Wasserversorger SachsenEnergie ließ TAG24-Nachfragen dazu unbeantwortet. Laut LTV ist entscheidend, ob und wie viel es in den kommenden Wochen regnet. Immerhin eine gute Nachricht: Vor allem im Südwesten des Freistaats sind die Talsperren mit bis zu 95 Prozent gut gefüllt.
Neun von zehn Flüssen auf niedrigem Niveau
Sachsen sitzt auf dem Trockenen! "Die Flusspegel und Grundwasserstände befinden sich auf historisch niedrigem Niveau", sagt Sachsens Umweltminister Georg von Breitenbuch (55, CDU).
Laut Ministerium herrscht an 134 der 146 Pegel Niedrigwasser oder es steht kurz bevor. Das sind 92 Prozent aller Messstellen.
Besonders dramatisch: In vier von fünf Gewässern fließt jetzt noch weniger Wasser als beim langjährigen mittleren Niedrigstand. Noch Ende Juli waren nur 60 Prozent dieser Pegel betroffen. Innerhalb einer Woche ist die Zahl explodiert.
Die Neiße erreicht stellenweise gerade einmal zehn Prozent des August-Durchschnitts, die Schwarze Elster teils nur fünf Prozent. Auch Spree, Mulde und Weiße Elster führen viel zu wenig Wasser. Im Dresdner Teil der Elbe flossen nur 86 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbei.
Normalerweise sind es im Mittel 328. Dem Grundwasser geht's nicht besser: 85 Prozent aller Messstellen liegen unterm August-Normal. Im Schnitt fehlt ein halber Meter.
Wann kommt wieder Regen?
Um den Klima-Kapriolen-Trend zu brechen, brauchen wir lang anhaltenden Regen.
"Ich bin nur ungern der Überbringer schlechter Nachrichten", sagt eine Sprecherin des Deutschen Wetterdiensts (DWD) zu TAG24, "aber dieses Szenario ist absolut nicht in Sicht".
Lediglich nächste Woche Montag steigt die Gewitter-Wahrscheinlichkeit im Raum Dresden und Ostsachsen. Und die könnte diesen langen Regen mit sich bringen. Aber die liegt nur bei 20 Prozent, so die Sprecherin weiter.
"Auch Nieselregen könnte die Situation entschärfen. Wenn er für 24 Stunden fällt. Aber auch das liegt in weiter Ferne." Immerhin: In der kommenden Nacht lohnt sich kräftiges Durchlüften wieder, bei Tiefstwerten von 9 bis 12 Grad.
Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel (2)

