Bürgermeister per Anwalt zum Schweigen gebracht: Was läuft da zwischen Investor und O'thal?
Oberwiesenthal - Am Fichtelberg knirscht es zwischen dem Skigebiet-Investor und der Stadt Oberwiesenthal (Erzgebirgskreis). Während die Liftgesellschaft Oberwiesenthal (LGO) öffentlich auf Tempo drängt, will sich der Bürgermeister an vereinbartes Stillschweigen halten.
"Ich kann keine öffentlichen Statements zu einer möglichen Trägergesellschaft abgeben", so Jens Benedict (41, Bürgerbündnis EINZ) und verweist auf Absprachen mit Investor Rainer Gläß (67) und ein in der Folge an ihn gerichtetes anwaltliches Schreiben.
Auch ein gemeinsamer Auftritt zur Präsentation des Planes zum Neustart am Fichtelberg scheiterte an der Kommunikation zwischen LGO und Rathaus: "Leider wurde der Termin im Vorfeld nicht mit mir abgestimmt", teilte der Bürgermeister mit.
Die Aufbruchstimmung im Wintersportort scheint seit dem Verkauf des Skigebietes vor einem Jahr deutlich abgekühlt. "Das Tempo, mit dem es vorangeht, entspricht nicht dem, was uns versprochen wurde", sagt ein Hotelier, der ungenannt bleiben möchte.
Auch Veranstalter und Fichtelberghütten-Wirt Joachim Nöske (74) wird ungeduldig: "Wenn hier nicht bald Entscheidungen getroffen werden, können wir Oberwiesenthal zuschließen. Dann sind die Rentner tot, die noch mit ihren Enkeln zum Skifahren kommen."
Der Landtagsabgeordnete Rico Gebhardt (63, Linke) sieht Oberwiesenthals Stadtrat unter Druck gesetzt: "Die Unternehmerfamilie setzt den Stadträten sprichwörtlich die Pistole auf die Brust. Es liegt nahe, dass ein Teil der Risiken jetzt Knall auf Fall wieder auf die Stadt abgewälzt werden soll."
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold, Sven Gleisberg (2)
