Landschaftsschützer sauer: Quadfahrer brettern über seltene Orchideen-Wiesen
Bad Gottleuba - Ärger im Paradies: Die Bergwiesen und Wälder rund um Oelsen im Osterzgebirge nahe der tschechischen Grenze sind noch weitgehend das, was man mit einiger Berechtigung als "unberührt" bezeichnen kann. Doch gefährden Quadfahrer aus dem Nachbarland, Wildverbiss und steigender Wandertourismus die Artenvielfalt.
Die Oelsener Wiesen zwischen Lauenstein und Bad Gottleuba: Hier wachsen noch Himmelsschlüssel, eine streng geschützte Primelart, und Orchideen. "Das Besondere sind die vielen Arten, die genau hier ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze haben", sagt Thomas Westphalen (68), Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz.
Mehr als 600 Hektar Äcker, Bergwiesen und Wälder ringsum gehören dem Landesverein. "Unser größtes Gebiet", sagt Westphalen stirnrunzelnd. Was ihm Kopfschmerzen bereitet, sind Quadfahrer, auch Mountainbiker, die teilweise aus Tschechien über die Grenze kommen und quer durch das Naturschutzgebiet brettern.
"Aber das interessiert niemanden", sagt Westphalen. Darüber hinaus belastet der seit Corona gestiegene Wandertourismus das frei zugängliche Gebiet. "Aber Zäune sind teuer und passen nicht zu unserer Philosophie", erklärt der Naturschützer.
Ein weiteres Problem ist der hohe Wilddruck. 50 Stück Rotwild dürfen jährlich geschossen werden. Aber das reicht nicht, um die Flora zu schützen, wenn es Rudel mit über 100 Tieren gibt. "Wir haben deshalb höhere Zahlen eingefordert", so Westphalen.
Tatsächlich gibt es nicht nur Negativnachrichten
Georg-Ludwig von Breitenbuch (55, CDU) hat aufmerksam zugehört. Er ist an diesem Tag mit von der Partie. Er habe das ein oder andere Problem bereits mit der tschechischen Seite besprochen, sagt er. Bisher jedoch ohne messbaren Erfolg.
"Die Pächter, die die Bergwiesen bewirtschaften, damit sie nicht zum Wald werden", hakt Westphalen nach, "brauchen eine auskömmliche Förderung." Aber die EU ist dabei, über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) die Mittel zu kürzen. Geht da was, Herr Minister?
Tatsächlich gibt es nicht nur Negativnachrichten aus dem Naturschutzgebiet. Der Unternehmer Karl Schwald, gleichzeitig der Jagdpächter im Naturschutzgebiet, hat im vergangenen Jahr über 10.000 Euro für zwei Pflanzaktionen gespendet.
"Die Weißtannen und Rotbuchen haben uns beim Waldumbau, den wir seit zehn Jahren betreiben, durchaus vorangebracht", so Westphalen.
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