Landschaftsschützer sauer: Quadfahrer brettern über seltene Orchideen-Wiesen

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Bad Gottleuba - Ärger im Paradies: Die Bergwiesen und Wälder rund um Oelsen im Osterzgebirge nahe der tschechischen Grenze sind noch weitgehend das, was man mit einiger Berechtigung als "unberührt" bezeichnen kann. Doch gefährden Quadfahrer aus dem Nachbarland, Wildverbiss und steigender Wandertourismus die Artenvielfalt.

Quadfahrer, die teilweise aus Tschechien über die grüne Grenze fahren, sind eine Gefahr für das Naturschutzgebiet.
Quadfahrer, die teilweise aus Tschechien über die grüne Grenze fahren, sind eine Gefahr für das Naturschutzgebiet.  © 123RF/grispb

Die Oelsener Wiesen zwischen Lauenstein und Bad Gottleuba: Hier wachsen noch Himmelsschlüssel, eine streng geschützte Primelart, und Orchideen. "Das Besondere sind die vielen Arten, die genau hier ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze haben", sagt Thomas Westphalen (68), Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz.

Mehr als 600 Hektar Äcker, Bergwiesen und Wälder ringsum gehören dem Landesverein. "Unser größtes Gebiet", sagt Westphalen stirnrunzelnd. Was ihm Kopfschmerzen bereitet, sind Quadfahrer, auch Mountainbiker, die teilweise aus Tschechien über die Grenze kommen und quer durch das Naturschutzgebiet brettern.

"Aber das interessiert niemanden", sagt Westphalen. Darüber hinaus belastet der seit Corona gestiegene Wandertourismus das frei zugängliche Gebiet. "Aber Zäune sind teuer und passen nicht zu unserer Philosophie", erklärt der Naturschützer.

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Ein weiteres Problem ist der hohe Wilddruck. 50 Stück Rotwild dürfen jährlich geschossen werden. Aber das reicht nicht, um die Flora zu schützen, wenn es Rudel mit über 100 Tieren gibt. "Wir haben deshalb höhere Zahlen eingefordert", so Westphalen.

Schilder machen um Oelsen (Sächsische Schweiz) darauf aufmerksam, schonend mit der Natur umzugehen und sich an die Regeln zu halten.
Schilder machen um Oelsen (Sächsische Schweiz) darauf aufmerksam, schonend mit der Natur umzugehen und sich an die Regeln zu halten.  © Tobias Koch
Wilddruck: Im Gebiet gibt es Hirschrudel mit bis zu hundert Tieren. Um die Pflanzen zu schützen, müssten mehr Tiere geschossen werden dürfen.
Wilddruck: Im Gebiet gibt es Hirschrudel mit bis zu hundert Tieren. Um die Pflanzen zu schützen, müssten mehr Tiere geschossen werden dürfen.  © 123RF/miksov

Tatsächlich gibt es nicht nur Negativnachrichten

Der LSH-Vorsitzende Thomas Westphalen (68, l.) und Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (55, CDU) haben sich vor ein paar Wochen gemeinsam ein Bild von der Lage im Naturschutzgebiet gemacht.
Der LSH-Vorsitzende Thomas Westphalen (68, l.) und Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (55, CDU) haben sich vor ein paar Wochen gemeinsam ein Bild von der Lage im Naturschutzgebiet gemacht.  © Tobias Koch

Georg-Ludwig von Breitenbuch (55, CDU) hat aufmerksam zugehört. Er ist an diesem Tag mit von der Partie. Er habe das ein oder andere Problem bereits mit der tschechischen Seite besprochen, sagt er. Bisher jedoch ohne messbaren Erfolg.

"Die Pächter, die die Bergwiesen bewirtschaften, damit sie nicht zum Wald werden", hakt Westphalen nach, "brauchen eine auskömmliche Förderung." Aber die EU ist dabei, über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) die Mittel zu kürzen. Geht da was, Herr Minister?

Tatsächlich gibt es nicht nur Negativnachrichten aus dem Naturschutzgebiet. Der Unternehmer Karl Schwald, gleichzeitig der Jagdpächter im Naturschutzgebiet, hat im vergangenen Jahr über 10.000 Euro für zwei Pflanzaktionen gespendet.

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"Die Weißtannen und Rotbuchen haben uns beim Waldumbau, den wir seit zehn Jahren betreiben, durchaus vorangebracht", so Westphalen.

Titelfoto: Bildmontage: Tobias Koch, 123RF/grispb

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