Ehrenfriedersdorf - Am Samstag beginnt für Sachsens Abc-Schützen ein neuer Lebensabschnitt. Zur Einschulung darf natürlich die perfekte Zuckertüte nicht fehlen. Ein Familienunternehmen, das sich dem schon vor mehr als 120 Jahren verschrieben hat, ist Nestler aus dem Erzgebirge.
"Diese Tradition der Zuckertüte ist zum ersten Schultag in Mitteldeutschland entstanden", weiß Produktdesignerin Christiane Beck. Entsprechend groß wird der Schulanfang in Sachsen gefeiert. Schon bei den Motiven haben die Kinder die Qual der Wahl: egal ob Pferde, Harry Potter, Dinosaurier oder das Foto vom Lieblings-Haustier.
Revolutionär war das Unternehmen dabei schon 1910 bei der Herstellung: "Wir sind der erste industrielle Produzent von Schultüten."
Trotzdem ist Handarbeit immer noch das A und O. "Die Schultüten bestehen aus stabilen Papprohlingen, überzogen mit einem glänzenden Druck. Abschluss bildet ein Verschluss aus Tüll, Organza, Filz oder Krepp", erklärt Produktdesignerin Beck.
Außerdem versucht Nestler, mit der Zeit zu gehen. "Vor einigen Jahren gab es einen regelrechten Basteltrend, den wir mit passenden Bastelsets aufgegriffen haben. Mittlerweile geht es zu personalisierten Schultüten", betont die Produktdesignerin.
Manche Kunden bleiben Nestler sogar über Generationen treu. Selbst Eltern, die ihre Zuckertüte schon von Nestler bekommen haben, holen ihren eigenen Knirpsen heute ebenfalls eine aus dem Erzgebirge.
Ramschware macht auch vor "Zuckertüten"-Unternehmen nicht halt
Trotzdem haben sich in den vergangenen Jahren auch die geburtenschwachen Jahrgänge bemerkbar gemacht. "Wir sind sehr abhängig von der Zahl der schulpflichtigen Kinder."
Doch diesem Trend zum Trotz "bekommen Kinder heute viel mehr Schultüten geschenkt, da jeder Gast noch etwas mitbringt, und auch viel damit dekoriert wird".
Allerdings macht auch Ramschware vor dem Unternehmen nicht halt. "Leider haben wir zunehmend Konkurrenz aus China mit qualitativ weniger wertigen Schultüten."
"Da das Produkt 'Schultüte' plötzlich überall verfügbar ist, auch zu kleinen Preisen, sinkt das Verständnis für die Wertigkeit. Besonders Apps wie Temu fördern diese Mentalität: Selbst wenn die Qualität nicht gut ist, aber wenigstens war es billig", bedauert Beck.