Folge des Gift-Verbotes: An Sachsens Kirchenorgeln nagt der Wurm

Von Birgit Zimmermann

Grimma - Sachsen - das Land der Pfeifen. Nach Einschätzung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche verfügt der Freistaat über eine der wertvollsten Orgellandschaften in ganz Deutschland. Doch das zumeist hölzerne Kulturgut ist arg bedroht - von einem Wurm und den klimatischen Veränderungen.

Der Orgelbauer Michael Wetzel kümmert sich unter anderem um die Reinigung von Sachsens ältester erhaltener spielbarer Orgel in der Kirche Pomßen.  © Jan Woitas/dpa

Rund 1450 Orgeln gibt es in den evangelischen Kirchen Sachsens. Etwa 1000 dieser Instrumente sind nach Angaben der Landeskirche älter als 100 Jahre - 80 stammten sogar aus der Zeit vor 1800.

An einem dieser Denkmale steht Michael Wetzel und späht auf eine Verzierung der historischen Orgel der Wehrkirche in Pomßen. Ein kleines orangebraunes Häufchen Holzmehl verheißt nichts Gutes. "Das kommt aus dem Instrument", sagt der Orgelbauer. Der Holzwurm setzt der 1671 errichteten Orgel zu.

Ihn zu bekämpfen, ist heute schwerer als in früherer Zeit. Die Zwickmühle sei, dass sämtliche wirksamen Mittel nicht mehr zugelassen sind, erklärt der Orgelbeauftragte der Landeskirche, Tobias Haase.

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"Da steht der Schutz der Gesundheit und der Natur gegen den Erhalt der Kulturdenkmale."

Hintergrund: Die früher verwendeten Holzwurm-Bekämpfungsmittel wie DDT, PCP und Lindan sind wegen der Gesundheitsgefahr (krebserregend) EU-weit verboten.

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Der Holzwurm hinterlässt Spuren.  © Jan Woitas/dpa

Trockenheit setzt Instrumenten zu

Holzwürmer können einen erheblichen Schaden anrichten. (Archivfoto)  © Oliver Berg/dpa

Lediglich sogenannte Häutungshemmer könne er heute gegen die Insekten einsetzen, sagt Orgelbauer Wetzel: "Wenn ich da zu wenig einbringe, erreiche ich nicht den Tod der Würmer, sondern eine Resistenz."

Eine Begasung sei noch möglich, aber extrem aufwendig und teuer. Beim Holzwurm, der etwa 10 bis 20 Prozent der Kirchenorgeln in Sachsen befallen habe, stecke man gerade in einer "Sackgasse", erklärt Haase.

Auch die klimatischen Veränderungen setzen den Instrumenten zu. "Vor zehn Jahren noch war unser großes Thema Schimmel. Das glaubt man heute kaum, dass man sich mehr Trockenheit gewünscht hat", sagt Haase.

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"Heute trauern wir um jedes Prozent Luftfeuchtigkeit, das weg ist." Die Folge: Die Instrumente verziehen sich, es kommt zu Spannungen und Tastenklemmern.

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