Döbeln - Denen ist nichts mehr heilig! Buntmetalldiebe haben sich am vergangenen Wochenende im Döbelner Niederfriedhof (Landkreis Mittelsachsen) zu schaffen gemacht - und das Grab von Ehrenbürger Franz Richter (1849-1924) geschändet. Auch im Vogtland machten sich Langfinger zu schaffen - an einer Trauerhalle!
Friedhofsverwalter Gerhard Börner (51) ist Vandalismus gewohnt. Er hatte sich vor seiner Anstellung im mittelsächsischen Döbeln um Grünflächen in Leipzig gekümmert.
"Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so was hier gibt", erzählt Börner. Laut Polizei brachen zwischen Freitagnachmittag und Montagmorgen Metalldiebe auf dem Döbelner Friedhof Zäune sowie Buchstaben und Zahlen aus Messing und Bronze von Gräbern heraus.
Von einem steinernen Kreuz sägten die Diebe eine Messing-Dornenkrone ab. Auch das Ehrengrab von Ehrenbürger und Industriepionier Franz Richter blieb nicht verschont: Dort klauten die Diebe ebenfalls Metallzäune und wollten die rund 500 Kilogramm schwere Messing-Grabplatte mitnehmen. Die Platte wog jedoch zu viel und wurde vor Ort gelassen.
Der Friedhofs-Chef ist traurig: "100 Jahre hat's gehalten - dann wollte es jemand haben!" Die Diebe hatten bei ihrem Beutezug leichtes Spiel, weil der Friedhof nicht verschlossen ist und zudem mehrere Eingänge hat.
Polizei sucht Zeugen
"Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag", so die Chemnitzer Polizei. Allerdings: "Der Wiederbeschaffungswert ist nicht zu stemmen", erzählt Gerhard Börner.
Auch in Steinberg (Vogtlandkreis) machten sich gottlose Buntmetalldiebe zu schaffen.
Am Wochenende klauten sie mehrere Meter einer Kupferdachrinne und eines Kupferfallrohres - beide waren an einer Trauerhalle am Kirchweg (Ortsteil Rothenkirchen) befestigt. Der Stehlschaden beträgt 1200 Euro.
Hinweise an die Polizei: Tel. 03744/2550.
Wer war Industrie-Pionier Richter?
Der Döbelner Ehrenbürger Franz Richter (1849-1924) hatte ein bewegtes Leben.
Der Kaufmann fing im Alter von 30 Jahren als Partner einer Schlosser- und Schmiedewerkstatt in Döbeln an und spezialisierte sich auf die Herstellung von Landmaschinen. Unter seiner Führung wuchs das Unternehmen auf 600 Mitarbeiter und expandierte auch ins Ausland.
Dabei sorgte Richter dafür, dass sein Unternehmen einen Gleisanschluss bekam und ließ sich unter anderem eine Saatkastenregulierung für Sämaschinen patentieren.
1901 wurde er zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt, 1911 bekam er die Ehrenbürgerschaft verliehen.