Ist es ein Soldat? Mann findet Grab mit Knochen, aber dann passiert erst mal wenig
Dippoldiswalde (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) - In einem Waldstück bei Schmiedeberg entdeckt ein 50-Jähriger menschliche Knochen, Wehrmachtsknöpfe, scharfe Weltkriegsmunition. Er meldete es den Behörden - und es passierte fast nichts. Zwei Wochen lang blieb das mögliche Grab des unbekannten Soldaten offen - erst nach einem TAG24-Besuch vor Ort ging alles ganz schnell.
Mike (50) kennt sich aus mit den Hinterlassenschaften des Krieges. Seit acht Jahren arbeitet er in der Kampfmittelberäumung. Doch was er Ende Juli entdeckte, lässt ihn nicht mehr los: Er war mit seinem Motorrad unterwegs, als er am Wegesrand einen goldfarbenen Jeep Wrangler mit tschechischem Kennzeichen sah.
Dahinter fünf Personen mit Schaufeln im Wald. Er runzelte die Stirn, fuhr weiter und kehrte am nächsten Tag zurück. "Vorgefunden habe ich ein geplündertes Grab", erzählt Mike TAG24.
Neben dem höchstens 60 Zentimeter tiefen Loch entdeckte er Knochen, Kiefer, Wirbel. Und eine Schädelplatte mit mutmaßlichem Einschussloch. "Ich kann es forensisch nicht beweisen", sagt er. Doch weitere Hinweise wie Knöpfe der Wehrmacht und Uniformfetzen legen es nahe, dass hier ein Soldaten-Grab geplündert worden ist.
Er rief die Polizei. Eine Streife sicherte erste Überreste und fuhr davon. Nach TAG24-Infos hatte sich die Kripo Pirna des Falles angenommen, die Knochen bereits zur Forensik geschickt.
Aus Ermittlerkreisen hieß es, die Gebeine könnten tatsächlich aus den 40er-Jahren stammen.
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Polizei findet zahlreiche neue Beweisstücke am Tatort
Doch an der Fundstelle passierte zwei Wochen lang nichts. Mike fand am Donnerstag wohl noch einen Wirbelknochen dort. Und kleine neue Löcher, wohl von Sondengängern.
Ob und was sie mitgenommen haben - völlig unklar. "Ich will niemandem an den Karren fahren. Aber das ist pietätlos", sagt Mike der Redaktion vor Ort. Und findet prompt scharfe Phosphormunition. Ein nächster Anruf bei der Polizei, eine nächste Streife rollt an.
Im TAG24-Blitzlicht nehmen sich die Beamten der Sache an, ziehen die Kripo hinzu, später den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD). Nun wird gegraben und gehackt. Die Profis finden weitere Munition, eine Leuchtmittelkartusche, ein Benzinfeuerzeug.
Warum eine vergleichbare Suche nicht schon nach dem ersten Fund zwei Wochen zuvor stattfand, konnte die Polizei zunächst nicht beantworten.
Nach der Suche am Donnerstag aber wurde ein Strafverfahren eingeleitet, wie es aus Ermittlerkreisen hieß. Ob hier tatsächlich ein Wehrmachtssoldat lag, müssen Untersuchungen zeigen.
Titelfoto: Fotomontage/Stefan Häßler/picture alliance / SZ Photo

