Tharandt - Die bewegte Geschichte des Jagdschlosses Grillenburg ist schier unglaublich. Aber wahr. Wie wandlungsfähig kann ein Ort sein? Fast grenzenlos, muss man mit Blick auf das Schlossensemble einräumen, wo am Mittwoch der Spatenstich für den Bau eines Wissenschafts- und Tagungszentrum der TU Dresden gesetzt wurde.
Erstmals erwähnt wird es im 13. Jahrhundert. 300 Jahre später macht der wettinische Kurfürst August das Gemäuer zu seinem Jagdschloss. Und weil er sich im Tharandter Wald so wunderbar von seinen "Grillen" erholen kann, also seiner schlechten Laune, erhält die Anlage den Namen "Grillenburg".
In der Folgezeit werden die Gebäude mehrfach verändert. 1730 errichtet Zwinger-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann eine Steinbrücke vor dem Jagdschloss. Im vorigen Jahrhundert dienen die Gebäude etwa als Herberge eines Jungmännerbunds, als FDGB-Heim oder als Museum.
2016 wird die Anlage zur Projektionsfläche für Proteste gegen ein Flüchtlingsheim, das dessen ungeachtet in die nahe "Forstschule" zieht.
Eine besondere Geschichte verbindet sich mit dem Neuen Jägerhaus auf dem Hügel oberhalb des Schlosses. Die sogenannte "Mutschmannvilla" diente dem Judenhasser, Hitler-Vertrauten, Ministerpräsidenten, Landesjägermeister und Reichsstatthalter Martin Mutschmann zeitweise als privates Domizil.
Zu DDR-Zeiten Kurheim, waren dort 1968 KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew und 1972 Kubas "Máximo Líder" Fidel Castro untergebracht.
Nach der Wende dann wurde das Haus zum Wallfahrtsort von Neonazis, die gern einmal selbst in die Badewanne des "Menschenschinders" wollten, wie MP Michael Kretschmer (51, CDU) Martin Mutschmann in seiner Rede am Mittwoch nannte.