Sachsen vor tiefen Einschnitten im Bahnverkehr: "Weniger Züge und schlechtere Anschlüsse"
Von Andreas Hummel
Dresden - Wegen zusätzlicher Millionenkosten für die Nutzung von Bahntrassen dünnen Verkehrsverbünde in Sachsen ihr Angebot aus. "Von Mittelsachsen über Dresden und die Lausitz bis ins Vogtland drohen weniger Züge und schlechtere Anschlüsse", warnt Michael Koch vom Fahrgastverband Pro Bahn.
"Bund und Freistaat müssen den Abbau stoppen." Dazu gehöre, die Mehrkosten im Nahverkehr für 2026 und 2027 zu übernehmen und das Preissystem für die Trassen wirksam zu reformieren.
Der Preis, der für einen Regionalzug je Kilometer gezahlt werden müsse, sei für 2026 um rund neun Prozent gestiegen, informiert der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Allein dieses Jahr fielen für den VVO Zusatzkosten von 8,8 Millionen Euro an, der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) spricht von 5,3 Millionen Euro an Mehrkosten. Diese würden nicht durch Zuschüsse von Bund und Land kompensiert, hieß es.
Deswegen würden zum Fahrplanwechsel im Dezember schwach nachgefragte Fahrten, vor allem an Wochenenden, Feiertagen sowie in den Weihnachts- und Sommerferien, gestrichen. Das betrifft etwa die Linien RB 80, 81, 83 von Chemnitz ins Erzgebirge sowie mehrere Linien im Netz der City-Bahn.
Die S3 zwischen Freiberg und Dresden wird eingestampft und auf den Abschnitt Dresden-Tharandt beschränkt. Auch für die Linien RB 71 (Pirna-Sebnitz) sowie S1 und S2 im Raum Dresden sind Einschnitte im Gespräch.
VVO wollte Angebot eigentlich ausweiten
Eigentlich wolle man das Angebot ausbauen, statt es zu reduzieren, betonte VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen.
"Ohne finanzielle Unterstützung des Landes oder rascher Entscheidungen für neue Trassenpreise auf Bundesebene bleibt uns jedoch keine andere Wahl. Die geplanten Einschnitte treffen dabei sowohl ländliche Regionen als auch den Ballungsraum Dresden."
Das Bundesverkehrsministerium kenne das Problem, betonte Pro Bahn-Bundesvize Koch. Trotzdem habe es bisher nur Ankündigungen gegeben.
"Das ist politische Arbeitsverweigerung und ein Armutszeugnis für die Verkehrspolitik des Bundes."
Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, Robert Michael/dpa

