Sachsens traurigste Messe: Hier suchen Coswigs Walzwerker neue Jobs

Coswig - Die Tage der Walzengießerei Coswig sind gezählt. Vorausssichtlich Ende Februar 2027 wird das insolvente Unternehmen nach 134 Jahren seine Pforten für immer schließen. Rund 170 Mitarbeitern der "Walze" droht die Arbeitslosigkeit. Für sie hat die IG Metall am vergangenen Freitag eine Job-Messe im Brauhaus Radebeul initiiert.

Klaus Habitzki (58, M.) von der Gießerei Gontermann-Peipers aus Siegen hatte extra Flyer für die Jobmesse in Coswig anfertigen lassen.  © Holm Helis

"Etwa 30 Betriebe, die IHK und die Arbeitsagentur sind unserer Einladung gefolgt", sagt Steven Kempe (38), der 2. Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Dresden/Riesa.

Es wäre möglich gewesen, noch gut 20 Betriebe mehr herzuholen, aber das Platzangebot war begrenzt, ergänzt der Funktionär. Kempe: "Fachkräfte sind rar. Unter den Ausstellern findet man viele Gießereien."

Tatsächlich tragen vor allem Vertreter dieser Branche die Job-Börse. Da sind zum Beispiel die Schmiedewerke Gröditz.

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Personalleiter Oliver Büchner (48): "Ein trauriger Anlass. Wir waren auch Kunde der Coswiger Walze. Jetzt sind wir hier, weil wir Mitarbeiter suchen. Wir könnten sofort fünf bis zehn Zerspanungsmechaniker einstellen."

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Steven Kempe (38) ist 2. Bevollmächtigte der IG Metall. Er begleitet das Schicksal des Unternehmens seit 2018 aktiv.  © Holm Helis
Die Walzengießerei ist in Coswig der größte Industrie-Arbeitgeber und insolvent.  © Holm Helis

Mitarbeiter suchen nach der Gießerei-Schließung neue Jobs

Anja Born (48, l.) hofft auf eine neue Stelle, Azubi Paul Langenhorst (25) bangt um seinen Ausbildungsabschluss.  © Bildmontage: Holm Helis

Klaus Habitzki (58) kam aus dem 500 Kilometer entfernten Siegen nach Coswig. "Ich bin mit gemischten Gefühlen angereist", gesteht er. Für Deutschlands größten Walzenhersteller, das Gießerei-Unternehmen Gontermann-Peipers, möchte er Personal anwerben. Habitzki lockt mit guten Gehältern und Unterstützung beim Umzug. Nach ersten Gesprächen ist er guten Mutes, dass sein Weg sich gelohnt hat.

"Ich bin seit 35 Jahren in der Coswiger Gießerei und hoch spezialisiert", sagt der Handformguß-Meister Monty Kohlstrunk (52). Er kennt die Gießereien der Region. Kohlstrunk nachdenklich: "Selbst wenn ich in Riesa, Freital, Pirna oder Gröditz eine Stelle finde - ich müsste täglich bis zu 70 Kilometer Auto fahren. Bei den aktuellen Spritpreisen bleibt da nicht mehr viel übrig."

Jens Pfeiffer (46) arbeitet seit 20 Jahren in der Gießerei. Sein Bereich sind Lager und Logistik. Pfeiffer: "Ich habe bereits Bewerbungen verschickt - unter anderem an Globalfoundries. Es wäre der Hauptgewinn, wenn das klappen würde."

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Sein Kollege Roy Hoffmann (35) hat Schmelzer gelernt. "Ich überlege, ins Handwerk zu gehen", sagt er. Die angekündigte Schließung der Gießerei fällt für Paul Langenhorst (25) mit den Abschlussprüfungen zusammen. "Ich hoffe inständig, dass ich meine Ausbildung noch zu Ende bringen kann", sagt der angehende Gießereimechaniker:

Anja Born (48) ist zuständig für die Arbeitsvorbereitung in der "Walze". Die Kollegen schätzen sie sehr. Diese Woche steht ihr 20-jähriges Betriebsjubiläum an. Die studierte Gießereitechnologin schaut sich auf der Job-Messe mit unendlich traurigen Augen um. Sie sagt: "Ich liebe meinen Job. Noch einmal woanders neu anfangen wird schwer - vor allem als Frau in dieser Branche."

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