Schicksal auch nach 80 Jahren nicht vergessen: Ungarndeutsche berichtet als Zeitzeugin über die Vertreibung

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Pirna - Aus dem Eigenheim verbannt und der Heimat vertrieben, in ein fremdes Land geschickt: Das Schicksal der Ungarndeutschen beschäftigt auch 80 Jahre später. Damit die Erinnerung daran nicht verblasst, haben sich am Dienstag zwanzig Schüler aus Pirna und Ungarn im Rahmen einer Projektwoche mit der Vertreibung beschäftigt – und eine getroffen, die sie selbst erlebt hat: Margot Bergmann (85) aus Flöha.

"Die Traditionen oder die Küche müssen einfach erhalten bleiben. Bei uns ist das auch ganz tief drin", betont Margot Bergmann (85) gegenüber den Schülern im Zeitzeugengespräch. Auch Tochter Judith (48) ist dabei.
"Die Traditionen oder die Küche müssen einfach erhalten bleiben. Bei uns ist das auch ganz tief drin", betont Margot Bergmann (85) gegenüber den Schülern im Zeitzeugengespräch. Auch Tochter Judith (48) ist dabei.  © Norbert Neumann

Margot war fünf Jahre alt, als man sie und ihre Familie zwang, Ungarn nach Kriegsende zu verlassen. Sie wurde in Mágocs geboren und war somit eine von rund 50.000 Ungarndeutschen, die mit Eisenbahntransporten zur "Grauen Kaserne" in Pirna – eines der Erstaufnahmelager - gebracht wurden.

Die Ankunft im kriegszerstörten Deutschland war für die Familie "sehr schwer. Wir waren ja 'die Anderen'", erinnert sich die heute 85-Jährige. "Ich war erst fünf. Beim Anblick des Innenhofs dämmert es mir. Es gab eine Wiese und einen Baum, wir durften wohl manchmal raus."

Nach etwa zwei Wochen wurden die Vertriebenen "gesundheitlich begutachtet und eingestuft. A ging in den Uranbau nach Zwickau oder ins Vogtland, B in die Landwirtschaft, C und D waren Kinder und Frauen." Anschließend wurden sie in das etwa 90 Kilometer entfernte Niederwiesa gebracht.

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"Hier lebten wir nochmal zwei Wochen in einem Gasthof, bevor wir einfach der Bevölkerung zugeteilt wurden." Auch dort war das Ankommen alles andere als leicht.

"Für die Deutschen waren wir immer Ungarn und für die Ungarn Deutsche", erklärt die Zeitzeugin den Schülern aus Pirna und Ungarn.
"Für die Deutschen waren wir immer Ungarn und für die Ungarn Deutsche", erklärt die Zeitzeugin den Schülern aus Pirna und Ungarn.  © Norbert Neumann
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In Mágocs war für Margot (M.) und ihre Eltern das Leben bis zu ihrem fünften Lebensjahr in Ordnung.
In Mágocs war für Margot (M.) und ihre Eltern das Leben bis zu ihrem fünften Lebensjahr in Ordnung.  © Repro: Norbert Neumann

Im Kindesalter vertrieben: "Sobald ich die Grenze nach Ungarn überschreite, geht mir das Herz auf"

Während andere Vertriebene wegen ihrer traditionsreichen Röcke und Kopftücher sogar angefeindet wurden, "blieb uns das erspart", sagt Margot Bergmann.
Während andere Vertriebene wegen ihrer traditionsreichen Röcke und Kopftücher sogar angefeindet wurden, "blieb uns das erspart", sagt Margot Bergmann.  © Norbert Neumann

Wegen zu weniger Lebensmittelmarken litt die Familie Hunger: "Oma und Mutter verzichteten auf Essen, damit Vater, Opa, mein jüngerer Bruder und ich genug hatten." Trotzdem kämpfte sich Margot hoch.

"Ich kam in die erste Klasse und war spitze. Wir haben zu Hause nur noch Deutsch gesprochen und auch das Schwäbische hatte ich schnell abgelegt", erinnert sich die "Donauschwäbin". Anschließend ging es zum Pharmazie-Studium nach Leipzig.

Obwohl sie sich hier wohlfühlt, "sind meine Wurzeln in Ungarn, auch wenn ich als Kind wegmusste. Sobald ich die Grenze nach Ungarn überschreite, geht mir das Herz auf".

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Mit etwa 35 Jahren lernte sie ihren Mann in Sachsen kennen - auch ein Ungarndeutscher: "Das war eine Zufallserscheinung. Wir haben uns über eine Zeitungsannonce kennengelernt und wussten nicht, dass wir beide Ungarndeutsche sind. Er war aus Pécs, was nicht weit von meiner Heimat ist."

Das letzte Mal in ihrer ungarischen Heimat war Margot 2022 mit ihrer Tochter Judith (48): "Sie wollte sich gerne verabschieden und es war wirklich wie eine zweite Vertreibung."

Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann

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