Von Lutz Brose
Mügeln - Sachsen gilt als das Dampfbahn-Land Nummer eins in Deutschland. Nirgendwo sonst im Land begegnet man einer solchen Fülle nostalgischer Eisenbahnen wie im Freistaat. Doch steht die Zukunft von einer jetzt auf dem Spiel?
Neben Museums-, historischen Eisen-, Park- und Feldbahnen gibt es hier fünf täglich verkehrende Schmalspurbahnen, die nicht nur die Herzen von Eisenbahnfans höherschlagen lassen.
Die kleinste davon liegt unweit der Messestadt: die Döllnitzbahn, liebevoll "Wilder Robert" genannt. 1884 dampfte sie erstmals von Mügeln nach Oschatz los. Es folgten Erweiterungen der Strecken und der Infrastruktur.
1959 waren Bahnhof und Betriebswerk mit 320 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt Mügeln. Doch schon bald setzten Streckenstilllegungen ein.
Den Fortbestand der kleinen Bahn rettete schließlich der Güterverkehr über die Wendezeit hinaus. In den Jahren danach kämpften der Fahrgastverband "Pro Bahn", das Landratsamt, die Anliegerkommunen und viele andere Partner für ihren Erhalt.
1993 wurde die Döllnitzbahn GmbH gegründet, die im selben Jahr die 17 Kilometer lange Strecke von Oschatz über Mügeln nach Kemmlitz von der Deutschen Reichsbahn übernahm - und damit zur ersten nichtbundeseigenen Eisenbahn Sachsens wurde.
Zwei Jahre später startete der Schülerverkehr zwischen Altmügeln und Oschatz. Dennoch drohte der Döllnitzbahn immer wieder das Abstellgleis. Im laufenden Doppelhaushalt kürzte der Freistaat Sachsen die finanziellen Mittel, aktuell drohen zusätzliche Kürzungen des Bundes, sodass landesweit jeder fünfte Regionalzug eingespart werden könnte.
Für Ingo Neidhardt, seit über 13 Jahren Geschäftsführer der Döllnitzbahn GmbH, bedeuten diese Herausforderungen auch schlaflose Nächte.
Döllnitzbahn in "absoluter Ausnahmesituation"
Doch in diesen Tagen zeigt sich der 60-Jährige glänzend aufgelegt, genauso wie der Triebwagen VT 137 515, der gerade frisch von der Hauptuntersuchung aus Österreich zurückgekehrt ist.
"Die Döllnitzbahn befindet sich im Übrigen in einer absoluten Ausnahmesituation. Dank des Zweckverbands, der Gesellschafter und des Fördervereins ist das Überleben auf Jahre gesichert", erklärt Neidhardt, der zugleich auch Chef der Zittauer Schmalspurbahn ist.
Die Faszination für historische Eisenbahnen zieht weiterhin viele Menschen in ihren Bann - so auch beim jüngsten Bahnhofsfest in Mügeln.
Ende Oktober wird es gespenstisch: Zum Halloween-Fest erwarten die Besucher am Bahnhof Mügeln Gruselfahrten und am Reformationstag stehen Dampffahrten auf dem Programm. Mit den Advents- und Glühweinfahrten im Dezember endet der Eventkalender 2026 der Döllnitzbahn.