Stoppt das "Netzpaket" weitere Wind- und Solarparks in Sachsen?
Dresden - Wenn staatliche Planwirtschaft auf physikalische Grenzen trifft: Weil hochsubventionierte Wind- und Solaranlagen immer häufiger gedrosselt werden müssen, weil die Leitungen überlastet sind, will die Bundesregierung mit einem "Netzpaket" gegensteuern. Während das bei Energiewende-Profiteuren in Sachsen für einen Aufschrei sorgt, könnte Strom für die Bürger billiger werden.
Das Problem: In wind- und sonnenreichen Stunden produzieren Wind- und Solarparks große Mengen Strom, die bei Einspeisung in die Netze zur thermischen Überlastung der Leitungen und Störungen der Netzfrequenz bis hin zum Blackout führen würden.
Also werden die Anlagen immer wieder gedrosselt. Diese Eingriffe heißen Redispatch. Die Betreiber bekommen dafür bislang Geld - die Kosten gelten als Netzkosten und werden über die Netzentgelte von den Stromkunden bezahlt.
Doch das soll sich jetzt ändern. Mit ihrem "Netzpaket" möchte Bundesenergieministerin Katherina Reiche (52, CDU) Investitionen in Wind- und Solarparks dorthin lenken, wo Netzkapazität vorhanden ist - in der Regel da, wo industrielle Großabnehmer von Strom beheimatet sind.
Weite Teile Sachsens würden dagegen wegen schwacher Netze künftig als "kapazitätslimitiert" gelten. Heißt: Neue Anlagen bekämen dort bei Abschaltungen keine Entschädigung mehr.
Für Verbraucher könnte die Begrenzung langfristig zu sinkenden Strompreisen führen
Für Investoren steigt somit das wirtschaftliche Risiko. Der Chemnitzer Energieversorger Eins warnt bereits, dass ohne Entschädigungen Energiewende-Projekte "neu bewertet, zeitlich verschoben oder nicht umgesetzt" würden.
Auch der Branchenverband VEE Sachsen erwartet, dass sich Projekte deutlich schwerer rechnen. Banken würden höhere Risikoaufschläge verlangen, ein Teil der Vorhaben würde unwirtschaftlich, hieß es. Der Bundesverband Windenergie warnt sogar vor einem "Ausbaustillstand in den betroffenen Regionen".
Doch es gibt auch Zustimmung. "Die geplanten Instrumente des angekündigten Netzanschluss-Pakets stellen in weiten Teilen eine systemische Notwendigkeit dar", teilten die Leipziger Stadtwerke mit. Der Markt funktioniere nicht mehr richtig, wenn durch Überproduktion immer häufiger negative Strompreise auftreten.
Für die Verbraucher könnte die Begrenzung der Redispatch-Kosten langfristig zu sinkenden Strompreisen führen. Auch manch umstrittene Windpark-Planung, gegen die sich in der Bevölkerung Widerstand regt, wäre damit wohl vom Tisch.
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