Verbot von Stolpersteinen löst Enttäuschung und Wut aus: Verein organisiert Mahngang in Heidenau

Von André Jahnke

Heidenau - Nach dem Beschluss in Heidenau nahe Dresden, künftig keine neuen Stolpersteine mehr im öffentlichen Raum zu verlegen, haben sich zahlreiche Menschen am Sonntag einem Mahngang angeschlossen. Der Verein "AKuBiz" hatte die Aktion initiiert. Der in Pirna ansässige Verein ist nach eigenen Angaben in der Demokratie- und Erinnerungsarbeit tätig.

Der Verein "AKuBiz" aus Pirna organisierte den Mahngang, die Polizei sicherte die Veranstaltung ab.  © Robert Michael/dpa

Seinen Angaben zufolge hatten sich rund 200 Menschen dem Mahngang angeschlossen. Die Polizei hatte zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl gemacht.

"Die Entscheidung des Heidenauer Stadtrates, keine Stolpersteine mehr in der Stadt verlegen zu lassen, hat nicht nur bei uns Wut und Enttäuschung ausgelöst", teilte der Verein auf Anfrage mit. Es seien viele Bekundungen der Empörung und Unterstützungsangebote eingegangen. Zudem wolle man mit dem Mahngang an die Personen erinnern, für die Stolpersteine geplant waren.

Der Stadtrat der Kleinstadt hatte Ende September einen entsprechenden Antrag von AfD und CDU mehrheitlich gebilligt, keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum zu verlegen.

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Stattdessen solle das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so "dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist", hieß es in dem Beschluss. Die Entscheidung hatte bundesweit Kritik und Diskussionen ausgelöst.

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Stolpersteine dürfen auch in München nicht auf städtischem Grund verlegt werden

Am Stolperstein zur Erinnerung an Heidenaus ersten Bürgermeister Paul Gröger wurden Blumen abgelegt.  © Robert Michael/dpa

Stolpersteine seien für die Erinnerungskultur nicht ausreichend, aber unverzichtbar, sagte die kulturpolitische Sprecherin der Linken Luise Neuhaus-Wartenberg. "Es ist falsch, Stolpersteine und damit die Opfer aus dem Alltag oder auf Friedhöfe verdrängen zu wollen, zumal die für den Beschluss Verantwortlichen keinerlei Kompensation vorsehen".

In Heidenau gibt es nach Angaben des Vereins "AKuBiz" fünf Stolpersteine. Der erste wurde im August 2021 für den ersten Bürgermeister der 1924 neu gegründeten Stadt, Paul Gröger, verlegt. Gröger weigerte sich demnach 1933, die Hakenkreuzfahne zu hissen. Er wurde in das KZ Hohnstein verschleppt und misshandelt. Dort nahm er sich das Leben.

Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den 1990er Jahren - und unterdessen in vielen europäischen Ländern.

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In München werden nach einem Stadtratsbeschluss Stolpersteine nicht auf städtischem Grund verlegt. Zu finden sind sie vor allem auf privatem Grund - und erlaubt auch auf Grundstücken, die dem Freistaat Bayern gehören. Stattdessen machen Erinnerungszeichen mit Fotos und knappen Lebensdaten vor Wohnhäusern auf das Schicksal der Menschen aufmerksam.

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