"Walze" in Coswig war kein 08/15-Betrieb: Sachsens traurigste Messe - ein Kommentar

Coswig - Wut, Verzweiflung, Frust, Ratlosigkeit, Verzagtheit, Aufbruchstimmung, Lust auf Tapetenwechsel, Hoffnung, Zuversicht - die komplette Bandbreite an Emotionen war auf der Jobmesse für die Beschäftigten der Walzengießerei Coswig mit Händen greifbar.

TAG24-Reporterin Pia Lucchesi kommentiert.  © Bildmontage: Holm Helis, Holm Röhner

Hinter den Mitarbeitern der traditionsreichen Gießerei liegen nervenaufreibende Monate. Sie haben für ihre Jobs gekämpft, waren bereit zu geben und sind trotzdem nun dabei, am Ende alles zu verlieren.

Dazu muss man auch wissen: Die "Walze" war in Coswig kein 08/15-Betrieb. Einige Mitarbeiter blicken dort mit ihren Familien auf drei Generationen Betriebszugehörigkeit zurück.

Am Niedergang dieser Gießerei hatte die Belegschaft keine Schuld. Das ist ein schwacher Trost für die Mitarbeiter, die sich jetzt nach neuen Jobs umschauen müssen. Die Jobmesse konnte zeigen, dass andere Arbeitgeber den Wert der erfahrenen Fachkräfte kennen und es Stellenangebote für sie auf dem Arbeitsmarkt gibt.

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Die Walzwerker ihrerseits erschienen gut vorbereitet zur Messe. Grundsätzlich waren viele bereit, Kompromisse zu machen und lange Wege auf sich zu nehmen, um neue Arbeitsstellen zu erreichen. In den Gesprächen wurde aber rasch klar: Dies ist auch eine Frage des Geldes. Flexibilität hat heutzutage ihren (Sprit-)Preis. Das beste Jobangebot nützt nix, wenn die Fahrtkosten den Lohn auffressen. Dann kommen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht zusammen.

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An dieser Stelle muss die Politik Lösungen präsentieren. Der ÖPNV und das Deutschlandticket sind nur eine Option, wenn der Verkehr zuverlässig rollt und auch entlegene Ortschaften und Betriebe rund um die Uhr ansteuert. Der individuelle Personenverkehr mit dem Auto kann nur das persönliche Mittel der Wahl sein, wenn er bezahlbar ist und bleibt.

Liebe Entscheider: Wer möchte, dass Fachkräfte nicht abwandern oder branchenfremd sich Arbeit suchen, muss das mitdenken.

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