Zwickau/Chemnitz - 15 Jahre nach der Selbstenttarnung der rechtsextremen Terrorzelle NSU wurde am Mittwoch in Zwickau und Chemnitz der Opfer gedacht. Im Zwickauer Schwanenteichpark erinnerten Blumen, Kerzen und Papierkraniche an die Ermordeten. Weitere Veranstaltungen gab es im Dom und im Chemnitzer NSU-Dokumentationszentrum "Offener Prozess". Wie genau flog der NSU damals auf?
Rückblick auf den 4. November 2011: Gegen 9.15 Uhr überfielen Uwe Böhnhardt († 34) und Uwe Mundlos († 38) in Eisenach eine Bank, erbeuteten rund 72.000 Euro. Als die Polizei ihnen auf die Spur kam, erschossen sie sich in einem Wohnmobil.
Stunden später, um 15.11 Uhr, Alarm in Zwickau-Weißenborn! Beate Zschäpe (heute 51) hatte ihre Katzen einer Nachbarin übergeben und die gemeinsame Wohnung in der Frühlingsstraße 26 angezündet. Das Terrortrio hatte seit 2008 unentdeckt in dem früheren Siedlerheim (erbaut 1928) gelebt.
Das Haus explodierte, Wände stürzten ein. Vier Minuten nach dem Alarm traf die Feuerwehr ein, gegen 15.30 Uhr war der Brand unter Kontrolle. Eine fast 90-jährige Nachbarin wurde gerettet, zwei Handwerker waren rechtzeitig gegangen.
NSU-Versteck in Zwickau abgerissen
Noch in der Nacht rückten Bagger an, um einsturzgefährdete Gebäudeteile abzureißen. Doch gegen 2 Uhr stoppte die Polizei die Arbeiten. Ermittler hatten in der Ruine Waffen, NSU-Bekennervideos und die Pistole entdeckt, mit der neun Menschen ermordet worden waren.
Monatelang blieb die Ruine stehen. Die damalige OB Pia Findeiß (heute 70, SPD) wollte verhindern, dass daraus ein Neonazi-Pilgerort wird. Die städtische Grundstücksgesellschaft (GGZ) kaufte die Immobilie.
Im April 2012 rückten dann die Bagger zum Abriss an. Zuerst verschwand der zerstörte Gebäudeteil, anschließend die weitgehend unbeschädigte andere Hälfte. Zurück blieb bis heute eine Wiese mit Büschen.
Zschäpe verbüßt als einzige Überlebende immer noch eine lebenslange Haftstrafe.