Auch dank Potsdam: So formte Schmidt bei den Monarchs die beste Defense der Liga
Dresden - Im Moment der größten Ekstase wurde Martin Schmidt ganz ruhig. Der Defense Coordinator der Dresden Monarchs setzte sich auf den Rasen des Rudolf-Harbig-Stadions und telefonierte mit seiner Familie. Den Triumph im GFL Bowl genoss er ganz still, dabei brodelte es auch im 38-Jährigen, wie er im TAG24-Interview erklärt.
TAG24: Martin, was machen die Gefühle zwei Tage nach dem Titelgewinn?
Schmidt: "Es ist noch nicht ganz zu fassen, auch in dem Moment nicht, als es das letzte Play gab und alles entschieden war. Auch da war eher Ruhe. Aber es fühlt sich definitiv schon besser an, als die letzten beiden Male auf der anderen Seite zu stehen."
TAG24: Beschreiben Sie die letzten Sekunden, Potsdam kurz vor der Endzone und noch vier Spielzüge zu gehen.
Schmidt: "Vollstes Vertrauen in dem Moment. Wir haben Tage zuvor im Training genau an diesen Situationen gearbeitet. Wenn man gegen Potsdam spielt, weiß man, dass man sich intensiver auf diese Spielzüge innerhalb der fünf Yards vorbereiten muss. Es ging dann nur noch darum, im richtigen Moment die richtigen Leute in die Positionen zu stellen, wo sie das Play machen können. Und: Unser letztes Defense-Play am Donnerstag im Training war eine Interception an der Drei-Yard-Linie von Chris Noak. Und so ist das Spiel dann geendet."
TAG24: Da ist der Plan also aufgegangen. Gab es auch einen für die gesamte Saison?
Schmidt: "Mein Plan ist immer, im letzten Spiel des Jahres unsere beste Leistung zu bringen. Kontinuierlich darauf hinarbeiten, dass wir jedes Spiel Fehler minimieren. Und die Sachen, die wir können, weiter ausbauen. Deswegen testet man anfangs immer ein bisschen. Vor dem letzten Spiel des Jahres kannst du nichts Neues mehr machen, sondern du wiederholst die gesamte Saison, dass du deine Aufgaben blind kannst, ohne nachzudenken. Wir haben die besten 17, 18 Spieler dafür im Laufe der Saison gefunden. Potsdam hat die Statistik - massiver Respekt von mir. Ich mag ihre Defense, aber wir müssen uns nicht verstecken. Wir können genauso, auch wenn uns das vor dem Spiel nicht zugeschrieben wurde."
Für die Experten war Potsdam das Nonplusultra, das kratzte an den Monarchs
TAG24: Hat das ein wenig gekratzt? War das Extra-Motivation?
Schmidt: "Es war für uns seit fünf, sechs Wochen Motivation. All die Experten und die Kommentare haben dafür gesorgt, dass diese Gruppe das angenommen hat, sich beweisen wollte. Wir haben brutal gute Spieler, aber am Ende haben wir alle Egos. Für sie war es eine Extra-Motivation."
TAG24: Die Jungs spielen mitunter schon ein paar Jahre zusammen. War das ein wichtiger Faktor?
Schmidt: "Eingespieltheit ist das eine, ich finde aber Identifikation viel wichtiger. Wenn ich nur ein paar Monate da bin, dann kann da manchmal ein Prozent fehlen. Wenn ich aber an einer Sache für ein, zwei, drei Jahre arbeite, dann ist das ein gewisses Investment. Das heißt, ich gehe auch mit einer anderen Einstellung ran. Ich wünsche mir, dass die Jungs etwas machen, weil es ihnen was bedeutet - gemeinsam als Gruppe. Im GFL Bowl hat man das gesehen. Wir haben gemeinsam getackelt, gemeinsam gefeiert. Da hatte keiner im Ansatz irgendwelche Zweifel."
TAG24: Wenn Sie sich jetzt direkt entscheiden müssten, mit allen Jungs 2027 weiterzuarbeiten, wie wäre die Antwort?
Schmidt: "Es hat doch funktioniert. Kein Team ist wie das andere, das wissen auch die Jungs. Diesen Zusammenhalt wie diese Saison wird es woanders nie wieder geben. Es gibt keinen davon, den ich nicht sofort wieder nehmen würde. Alles gute Menschen, gute Charaktere."
Titelfoto: Lutz Hentschel

