Dresden - Was hat ein Ragout Fin mit dem Scheitern der DDR-Nationalmannschaft zur WM-Qualifikation 1990 in Italien zu tun? Viel, wenn man sich die dreiteilige ZDF-Doku "Go West! Die letzte 11 der DDR" anschaut, die seit Freitag im Streamingportal des Zweiten läuft. Am Mittwoch feierte sie im Kraftwerk Dresden ihre Premiere.
Der Ort Dresden ist bewusst gewählt, weil die meisten Hauptprotagonisten aus der Stadt kommen. Matthias Sammer (59), Ulf Kirsten (60) und Eduard Geyer (81), der letzte Trainer der DDR-Nationalmannschaft. Sammer und Geyer waren vor Ort.
Die Doku? Absolut sehenswert, ein Höhepunkt deutsch-deutscher Sportgeschichte. Mal ernst, mal lustig, mal wild. Sie steigt ein mit den Tagen rund um das entscheidende WM-Quali-Spiel am 15. November 1989 in Wien gegen Österreich.
Ein abgeschottetes Trainingscamp in Abtnaundorf bei Leipzig. Vorbereitung auf das Spiel der Spiele. Ein Punkt reicht und die DDR ist in Italien dabei. Es kam anders. 0:3 und aus.
Eine Mitschuld trugen sicher die Wirren rund um die sechs Tage vorher gefallene Mauer, von dem die Spieler im Camp erfuhren. Nichts mehr ist, wie es einmal war.
Ragout Fin sorgte für lästige Magen-Darm-Grippe
Aber es war auch eine Chance für die DDR-Spieler, die plötzlich von pfiffigen Spielerberatern umgarnt wurden - schon in Wien während der Partie von Reiner Calmunds (77) Mitarbeitern von Bayer Leverkusen. Was Geyer "abscheulich und menschenverachtend" nennt, war für "Calli" einfach nur clever: "Wir waren die Ersten."
Mitschuldig war der polnische Schiedsrichter, über den "Ede" in der Doku heute noch seine eigene Meinung hat: "Der Schiedsrichter war auch 'ne kleine Drecksau."
Hauptschuldig war aber das Ragout Fin. Beim wenig appetitlichen Anblick in der Doku dürften einige Zuschauer das Gesicht verzogen haben. Denn der DDR-Klassiker war schuld daran, dass die letzte Elf des Ostens die Teilnahme an der WM 1990 verpasste - und nicht wie gedacht der Mauerfall.
Vor dem Spiel gegen Österreich fing sich ein Großteil der Mannschaft nämlich eine Magen-Darm-Grippe wegen dieser Speise ein, wie in der ersten Folge deutlich wird. Andreas Thom wird auf dem Flughafen von Wien von einem TV-Reporter nach seiner Lieblingsspeise gefragt: "Ragout Fin ist es nicht", sagt er lachend.
Und sportlich? "Ja, war schade", so Ulf Kirsten. "Ich bin mir sicher, wir hätten in Italien eine gute Rolle gespielt." Hat er dann später noch im Weltfußball, nachdem er mit vielen anderen DDR-Spielern "Go West" ging.